Ferrari-Strafe: Über diese Überprüfung ist die Scuderia gestolpert

Kommentiere hier die Berichte rund um die Grands Prix

Moderator: Mods

Antworten
Benutzeravatar
Mithrandir
Pole-Sitter
Pole-Sitter
Beiträge: 3799
Registriert: 11.05.2008, 16:24

Re: Ferrari-Strafe: Über diese Überprüfung ist die Scuderia gestolpert

Beitrag von Mithrandir » 03.12.2019, 18:44

Technikbegeisterter hat geschrieben:
03.12.2019, 16:00
Tatsächlich gibt es aber immer noch keinen einzigen klitze kleinen Hinweis darauf, dass die FIA-Direktiven irgendetwas mit Ferrari zu tun hatten
Hinweise und Indizien gibt es schon, aber es sind nur Vermutungen, das ist klar. Mich würde ja interessieren, wie du das Verhalten von Ferrari einschätzt, aus meiner Sicht waren die letzten drei Rennen jedenfalls nicht geeignet die Gerüchte zu entkräften, einerseits die Leistung und auch die Aussagen diesbezüglich.
Die Konkurrenz hatte den Verdacht vermutlich nicht völlig unbegründet und auch die FIA sah sich veranlasst ihr Regelwerk zu spezifizieren, mit der ersten Direktive macht es dann den Eindruck als hätte Ferrari einen Vorteil verloren, welcher in den Rennen und Trainings zuvor festzustellen war. Für mich waren die letzten drei Rennen durchaus geeignet über dieses Thema nachzudenken. Erst recht wenn Binotto von Aerodynamik - Experimenten spricht welche das Auto genau in dem Moment langsamer machen in der das Schlupfloch gestopft wird. Wobei sie im Training auch bewusst Strategien fahren bei denen man nicht mehr fahren muss.
Und dann wird Leclerc im letzten Rennen mit mutmaßlich zuviel Sprit erwischt, das Zeug von dem möglicherweise zuviel eingespritzt wird wenn der Sensor nicht aufpasst. Red Bull hat ja scheinbar zusammen mit Mercedes konkret die Legalität einiger Verfahren angefragt, also scheint es nicht unmöglich zu sein. Für einen technischen Laien sieht das schon merkwürdig aus, wenn Ferrari die Konkurrenz nicht an der Nase herumführen wollte haben sie zum Saisonende hin ziemlich unglücklich agiert. Wenn sie eine echte Konkurrenz für Mercedes gewesen wären wäre dem Thema wohl noch erheblich mehr Aufmerksamkeit gewidmet worden.
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote aus den oft erwähnten Topspeeds: Leclerc war in Abu Dhabi Vorletzter in der Kategorie, 32,2 km/h langsamer als Verstappen :shock: :mrgreen: Der war 10 km/h schneller als alle anderen. Faszinierend :shrug: :D
Folgt mir, ich komm nach...

Technikbegeisterter
Rookie
Rookie
Beiträge: 1225
Registriert: 06.02.2014, 12:57

Re: Ferrari-Strafe: Über diese Überprüfung ist die Scuderia gestolpert

Beitrag von Technikbegeisterter » 03.12.2019, 20:26

Mithrandir hat geschrieben:
03.12.2019, 18:44
Hinweise und Indizien gibt es schon, aber es sind nur Vermutungen, das ist klar. Mich würde ja interessieren, wie du das Verhalten von Ferrari einschätzt, aus meiner Sicht waren die letzten drei Rennen jedenfalls nicht geeignet die Gerüchte zu entkräften, einerseits die Leistung und auch die Aussagen diesbezüglich.
Gerüchte und Vermutungen (von nicht offizieller Stelle) sind keine Indizien oder Hinweise darauf, dass die Direktiven irgendwas mit Ferrari zu tun hatten. Genauso könnte ich auch sagen dass Red Bull im Bereich Durchflussmessung trickst, da sie das einzige Top Team sind, die in der Vergangenheit bereits deshalb disqualifiziert wurden und ganz offensichtlich in diese Richtung entwickeln. Ist das jetzt ein Hinweis oder Indiz darauf, dass sie mögliche Grauzonen in diesem Bereich ausnutzen? Nein, das ist eine haltlose Vermutung. Genauso wie die Behauptungen von Helmut Marko und Max Verstappen.
Mithrandir hat geschrieben:
03.12.2019, 18:44
Die Konkurrenz hatte den Verdacht vermutlich nicht völlig unbegründet und auch die FIA sah sich veranlasst ihr Regelwerk zu spezifizieren
Es gab keinen Verdacht. Red Bull hat ein Konzept entwickelt und angefragt ob dieses Konzept legal ist. Daraufhin folgte die Klarstellung der FIA. Mit Ferrari hat das zunächst mal rein gar nichts zu tun.
Mithrandir hat geschrieben:
03.12.2019, 18:44
mit der ersten Direktive macht es dann den Eindruck als hätte Ferrari einen Vorteil verloren, welcher in den Rennen und Trainings zuvor festzustellen war. Für mich waren die letzten drei Rennen durchaus geeignet über dieses Thema nachzudenken. Erst recht wenn Binotto von Aerodynamik - Experimenten spricht welche das Auto genau in dem Moment langsamer machen in der das Schlupfloch gestopft wird. Wobei sie im Training auch bewusst Strategien fahren bei denen man nicht mehr fahren muss.
Wenn man das ganze nur oberflächlich betrachtet, könnte man diesen Eindruck bekommen. Aber wie ich in einem anderen Thread schon geschrieben habe: Korrelation ≠ Kausalität.
Wenn man sich die Sektorzeiten, Top Speeds etc. anschaut, findet man erstmal keine Auffälligkeit, die auf einen Leistungsverlust seit Austin hindeutet. Stattdessen findet man eine miserable Performance in den langsamen Streckenabschnitten und noch viel wichtiger, eine katastrophale Performance in den long runs. Genau die gleichen Probleme hatte Ferrari schon in der gesamten ersten Saisonhälfte, bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. bei den Rennen in Bahrain oder Kanada.
Nach der Sommerpause folgten dann vier Rennen in denen Ferrari sehr stark war, wobei zwei von denen keine Überraschung waren, da die Streckencharakteristik von Spa und Monza dem Ferrari erwartungsgemäß entgegen kam. Allerdings war auch hier auffällig, dass Vettel auch in Monza große Reifenprobleme im Long Run hatte. Mit den folgenden Updates für Singapur, schien es so als hätte Ferrari das Reifenproblem tatsächlich gelöst. Es schien so! Denn sowohl in Suzuka, als auch in Mexiko war die Long Run Performance wieder schlechter. Berücksichtigt man nun die Tatsache, dass Singapur und Sotschi, sehr spezifische Strecken sind (Stadtkurs und Nachtrennen in Singapur, Fahrbahnbeschaffenheit in Sotschi), könnte man also auch zum Schluss kommen, dass Ferrari das Reifenproblem nie gelöst hat, sondern für diese beiden Strecken einfach ein gutes Setup erarbeitet hat. Vermutlich ein reines Zufallsprodukt, sonst hätten sie es auf anderen Strecken reproduzieren können (Erinnerungen an den Saisonbeginn werden wieder wach. Australien miserabel, Bahrain stark, der Rest miserabel).
In Mexiko, wo sie als Favoriten gehandelt wurden und von 1 und 2 gestartet sind waren sie im Rennen wieder schwächer als MAMG. Der Trend ging also schon wieder in die andere Richtung.
Die Krönung folgte dann in Austin. Im Qualifying noch stark, im Rennen dann unterirdisch. Da die Saison für Ferrari aber eh gelaufen war und sie beim Reifenproblem immer noch keine Lösung in Sicht hatten, war es nahe liegend die restliche Saison zu nutzen um mit unterschiedlichen Setups zu experimentieren.
Ob ich mit dieser Vermutung richtig liege? Keine Ahnung, aber für mich ist sie schlüssiger als jegliche Gerüchte ohne Hand und Fuß.
Mithrandir hat geschrieben:
03.12.2019, 18:44
Und dann wird Leclerc im letzten Rennen mit mutmaßlich zuviel Sprit erwischt, das Zeug von dem möglicherweise zuviel eingespritzt wird wenn der Sensor nicht aufpasst. Red Bull hat ja scheinbar zusammen mit Mercedes konkret die Legalität einiger Verfahren angefragt, also scheint es nicht unmöglich zu sein. Für einen technischen Laien sieht das schon merkwürdig aus, wenn Ferrari die Konkurrenz nicht an der Nase herumführen wollte haben sie zum Saisonende hin ziemlich unglücklich agiert. Wenn sie eine echte Konkurrenz für Mercedes gewesen wären wäre dem Thema wohl noch erheblich mehr Aufmerksamkeit gewidmet worden.
Das war einfach eine dumme Schlamperei. Ob nun mehr oder weniger eingefüllt wurde, wissen wir ja noch nicht sicher. Ich vermute, dass man sich entweder verkalkuliert hat oder die Motorenstrategie und damit den prognostizierten Verbrauch noch mal überarbeitet hat, nachdem man den Wert für den Tankinhalt irgendwo dokumentiert hat und diese Dokumentation anschließend vergessen wurde zu überarbeiten. Denn da man sowieso weniger als 110 kg Treibstoff getankt hatte, hätte man keinerlei Vorteil durch eine falsche Angabe. Nehmen wir mal an, Ferrari sei in der Lage in bestimmten Situationen mehr Benzin zu verbrauchen, als der Durchflussmesser erfasst, dann wären sie mit der gleichen Technologie auch in der Lage in anderen Situationen weniger zu verbrauchen, als der Durchflussmesser misst. Somit könnten sie die Differenz zwischen realem Verbrauch und dem vom Durchflussmesser kumulierten Verbrauch ausgleichen, ohne eine falsche Füllmenge anzugeben und sich der Gefahr einer Untersuchung bzw. Strafe auszusetzen. Also wenn Ferrari betrügen sollte, wäre dieses Vorgehen unnötig gewesen.

Ob das von Red Bull bei der FIA vorgelegte Konzept überhaupt mit praktischem Nutzen realisierbar wäre bezweifel ich ehrlich gesagt. Dazu wurde von mir und anderen auch schon in diversen anderen Threads viel geschrieben.
Mithrandir hat geschrieben:
03.12.2019, 18:44
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote aus den oft erwähnten Topspeeds: Leclerc war in Abu Dhabi Vorletzter in der Kategorie, 32,2 km/h langsamer als Verstappen :shock: :mrgreen: Der war 10 km/h schneller als alle anderen. Faszinierend :shrug: :D
Hier wird deutlich wieso ich für die Top Speed Vergleiche nicht die Daten aus den Rennen verwende, sondern die aus den Qualifyings. Aufgrund von Windschatten, DRS, Motormodus etc. entstehen im Rennen willkürliche Ergebnisse. Schau dir z.B. mal Monza an. Vettel und Verstappen stehen da im Top Speed Ranking ganz oben, der Rennsieger Leclerc ganz weit hinten auf Platz 16. Oder Mexiko, Vettel 18., Leclerc 20. fast 20 km/h langsamer als Perez. Alles vor der ersten Direktive der FIA.
Am Samstag in Abu Dhabi waren die Ferrari aber tatsächlich diejenigen mit der höchsten Top Speed.
Und die erste Runde im Rennen hat auch verdeutlicht, dass Ferrari auf der Geraden sehr schnell war. Ohne DRS ist Leclerc locker an Verstappen vorbeigefahren, obwohl auch dieser einen Windschatten durch Hamilton hatte. Und selbst Vettel, der zu Beginn der Geraden mehrere Wagenlängen hinter Verstappen war, war am Ende der Geraden schon auf gleicher Höhe.

Antworten