"Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

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"Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon Redaktion » 10.06.2019, 11:46

Sebastian Vettel ist auch dem Rennen der Meinung, er hätte sich bei seinem Fehler in Kurve 4 nicht anders verhalten können - Es ging für ihn nur noch ums "Überleben"
Sebastian Vettel, Lewis Hamilton

Sebastian Vettel kann seine Strafe auch nach dem Rennen nicht verstehen

Es war die entscheidende Szene beim Großen Preis von Kanada. In Runde 48 unterlief Sebastian Vettel ein Fahrfehler am Eingang von Kurve 4. Der Deutsche musste durchs Gras ausweichen, und als er wieder auf die Strecke zurückkam, musste Lewis Hamilton vom Gas gehen, um eine Kollision zu vermeiden. Von den Stewards bekam Vettel dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe, die ihn am Ende den Rennsieg kostete.

Bereits während des Rennens stellte Vettel am Funk klar, dass er keine Möglichkeit hatte, nach seinem Fehler etwas anders zu machen. Dabei bleibt er auch nach dem Rennen. "Ich habe das Heck des Autos verloren. Ich bin natürlich nicht freiwillig über die Strecke gesegelt", stellt er klar und ergänzt: "Ich wusste nicht, wie ich wieder auf die Strecke zurückkomme. Ich glaube, es ist ziemlich klar, dass ich am Limit war."

"Es war ein kleiner Fehler", räumt Vettel ein und verrät: "Ich hatte das ganze Rennen mit der Hinterachse zu kämpfen. Zu dem Zeitpunkt - aber eigentlich schon das ganze Rennen - hat Lewis viel Druck ausgeübt. Ich hatte nicht viel Luft. Da habe ich eingangs der Kurve das Heck verloren und musste überkorrigieren. Ich habe die Kurve nicht mehr bekommen, und es gab dann keinen Ausweg mehr."

"Bin nicht der erste Fahrer, der einen Fehler macht"

"Ich bin dann übers Gras, die Reifen waren dreckig. Ich hatte damit zu kämpfen, das Auto irgendwie gerade zu halten", erklärt Vettel und erinnert: "Ich bin nicht der erste Rennfahrer auf der Welt, der einen Fehler am Kurveneingang macht und das Auto abfangen und durchs Gras, Kiesbett oder was auch immer fahren muss." Für die Strafe hat der Deutsche daher kein Verständnis.

"Ich denke, es ist ziemlich bekannt, dass das Gras nicht sehr viel Grip hat", erklärt er leicht sarkastisch und stellt klar: "Ich denke nicht, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe. Ich glaube nicht, ich hätte irgendetwas anders machen können." Der Ferrari-Pilot schildert den Vorfall so: "Als ich das Auto abgefangen hatte, merkte ich, dass ich es nicht auf der Strecke halten konnte."

"Ich wurde langsamer, musste wirklich vorsichtig übers Gras fahren und verlor eine Menge Zeit", so Vettel, der anschließend "mit schmutzigen Reifen" zurück auf die Strecke kam. Er habe nur noch versuchen können, irgendetwas zu unternehmen, um "das Auto unter Kontrolle" zu halten. Dass er auf dem Gas blieb, um vor Hamilton wieder auf die Strecke zu kommen, streitet er vehement ab.

Vettel wehrt sich: "Dann wäre ich gecrasht!"

"Natürlich ging ich vom Gas und verlor Zeit", stellt er klar und berichtet: "Ich gab kein Vollgas. Wenn ich das getan hätte, dann wäre ich gecrasht. An diesem Punkt geht es nur noch darum, zu überleben. Es geht nicht darum, sich umzuschauen, aufs Gas zu gehen oder schneller zu sein." Daher habe er Hamilton auch nicht bewusst den Weg blockiert. Den Mercedes habe er nämlich gar nicht gesehen.

"Nein! Wie denn?", antwortet er auf die Frage, ob er Hamilton in seinem Rückspiegel im Blick hatte. "Ich weiß nicht, wie es aus seiner Sicht aussah", zuckt Vettel die Schultern und erklärt: "Als ich in den Spiegel geschaut habe, nachdem ich das Auto gefangen habe, war er direkt hinter mir. Ich weiß nicht, wie spät er es gesehen hat, dass ich geradeaus gefahren bin und das Auto verloren habe."

"Was hinter mir passiert ist, konnte ich in dem Moment nicht sehen, weil ich damit beschäftigt war, das Auto auf der Straße zu halten", erklärt Vettel und ergänzt im Hinblick auf Hamilton: "Hätte er dann nach innen eingeschnitten, wäre er wahrscheinlich vorbeigefahren." Ferrari hat mittlerweile angekündigt, gegen das Rennergebnis Protest einzulegen. Die Erfolgsaussichten sind allerdings gering.


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Re: "Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon gehtjanx » 10.06.2019, 15:37

Wenn Vettel Hamilton nicht gesehen hat, dann gibt er ja zu, dass die Strafe korrekt ist :eh2: Wie hätte er denn, ohne zu wissen und ohne zu schauen, sicher auf die Strecke fahren sollen?

Vettel ist wirklich nur :thumbs_down:

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Re: "Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon scuderiablue » 10.06.2019, 15:39

gehtjanx hat geschrieben:Wenn Vettel Hamilton nicht gesehen hat, dann gibt er ja zu, dass die Strafe korrekt ist :eh2: Wie hätte er denn, ohne zu wissen und ohne zu schauen, sicher auf die Strecke fahren sollen?

Vettel ist wirklich nur :thumbs_down:


Hier spricht ein Experte :facepalm: manoman :facepalm:
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Re: "Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon gehtjanx » 10.06.2019, 15:48

scuderiablue hat geschrieben:
Hier spricht ein Experte :facepalm: manoman :facepalm:


Zumindest musst du dein Banner nicht austauschen - die Anzahl der Siege hat sich ja nicht verändert :rotate:

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Re: "Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon scuderiablue » 10.06.2019, 15:58

gehtjanx hat geschrieben:
scuderiablue hat geschrieben:
Hier spricht ein Experte :facepalm: manoman :facepalm:


Zumindest musst du dein Banner nicht austauschen - die Anzahl der Siege hat sich ja nicht verändert :rotate:


Ui, das war ja jetzt schlagfertig :rotate: jetzt muss ich erstmal eine Runde weinen gehen :rotate:
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pilimen
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Re: "Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon pilimen » 10.06.2019, 16:10

Man kann argumentieren, dass Vettel hier nicht so weise gehandelt hat er er es sonst gerne tut:
Er hätte etwas verzögern können um abzuwarten, wo Vettel sich einreiht, um ihn dann (in dem Fall links) zu überholen.

Auf der anderen Seite sah Vettel auf dem Gras verdammt langsam aus, sodass Ham wohl davon ausging, dass er niemals so weit nach außen abdriften wird.

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Re: "Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon F1Schlaumeier » 10.06.2019, 17:03

Das letzte Mal, wo Vettel auf Pole stand, ist ihm ebenfalls ein "wirklich nur ganz kleiner" Fehler am Kurveneingang passiert. Damals ist er ausgeschieden und hat sich über sein Pech beschwert. Ein Rennfahrer hat kein Recht darauf ungestraft von der Strecke zu fliegen, nur weil er das selbst als "kleinen Fehler" klassifiziert. Mauern (von denen es in Kanada ausreichend gibt), Leitplanken und Kiesbetten können Rennen beenden. Bei Gras verliert man zumindest noch etwas Zeit. So sollte es auch sein. Asphaltierte Auslaufzonen, wo man völlig ungestraft abfliegen kann, sind eben nicht der Normalfall und passen nicht zum Kerngedanken des Motorsports. Sonst bräuchte man ja die vielen Strafen ala "leaving the track and gaining an advantage" nicht. Egal ob im Zweikampf oder auf einer schnellen Runde.

Vettel sollte sich an seinem Glück erfreuen, trotz des Fehlers die Zielflagge gesehen und sogar noch den zweiten Platz erreicht zu haben. Ja er hatte sogar nach dem Fehler noch jede Chance auf den Sieg. Er hätte nur etwas schneller sein müssen. Aber den Anspruch weiter in Führung zu bleiben hat er zu 100% verloren, wenn man bedenkt, dass Ham in Schlagdistanz war.

Die unsichere Rückkehr auf die Strecke ist nochmal ein ganz anderes Kapitel...

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Re: "Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon Hoto » 10.06.2019, 18:44

Sehe ich eben auch so.

Wer von der Strecke fliegt hat dafür Sorge zu tragen SICHER(!) auf die Rennstrecke zurück zu kommen, die Position im Rennen ist dabei ABSOLUT EGAL!

Hier klingt es teilweise so als müsste ein Fahrer, der um den Rennsieg fährt, eine gewisse Narrenfreiheit bekommen, die ihn vor Strafen schützt, die ihm den Rennsieg kosten könnte. Das ist natürlich absoluter Blödsinn. Die Regeln gelten für alle Fahrer auf der Strecke, egal ob Erster oder Letzter.

Aber es ist natürlich auch klar: um je mehr es in einem Rennen geht um so weniger möchte man nachgeben und um so mehr möchte man die Regeln biegen. Und wäre Hamilton nur etwas später dran gewesen, wäre das Ganze auch aufgegangen, nur war er eben nicht später dran und deshalb musste er stark auf der Ideallinie abbremsen und diese sogar verlassen um nicht mit Vettel zu crashen. Wie viel eindeutiger muss es noch sein?

Und natürlich konnte Vettel in der Situation nichts anderes machen, wenn er nicht noch mehr vom Gas gehen will. Und genau das ist der Punkt: er hätte nur noch mehr vom Gas gehen müssen, dann hätte er sicher auf die Strecke zurück kommen können ohne direkt auf die Ideallinie zurück zu fahren, nur dann wäre Hamilton 100%ig vorbei gewesen. Und auch das sprach für die Strafe.

Ich glaube eher die FIA hat 10 Runden für die Entscheidung gebraucht, weil sie nach Argumenten suchten Vettel keine Strafe zu geben. Denn eines ist auch klar: schon seit vielen Rennen versuchen die Komissare weniger Strafen auszusprechen, sind also eher gegen Strafen eingestellt als dafür.

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Re: "Habe nichts falsch gemacht": Vettel schildert folgenschweren Ausritt

Beitragvon gehtjanx » 10.06.2019, 19:09

Sehe ich auch so. Es war nicht schön, aber Hamilton wäre sicher vorbeigegangen durch den Zeitverlust von Vettel (wäre Vettel nicht im Wege gestanden).

Vermutlich hat er es nicht mit Absicht gemacht, jedoch zählt ja das Ergebnis und nicht die Absicht.

Es wäre noch schlimmer gewesen, hätte er Hamilton den Flügel abgefahren, dann wäre Hamiltons Rennen zerstört gewesen, Vettel hätte eine (vermutlich noch höhere) Strafe bekommen und das es wäre eine komplette Enttäuschung gewesen für die Fans.

Alles in allem: Fehler von Vettel, wobei der Platz nur behalten werden konnte durch das Blockieren, welches nur durch (absichtliches oder nicht absichtliches) unsafe re-entry on track möglich war.

Somit: Alles gut, alles fair.


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