Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

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Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon Redaktion » 09.06.2019, 23:24

Mercedes-Teamchef Toto Wolff versucht nach dem Vettel-Hamilton-Zwischenfall möglichst objektiv zu bleiben - Strafe war aus seiner Sicht dennoch richtig
Jean Todt, Toto Wolff

FIA-Präsident Jean Todt mit Mercedes-Teamchef Toto Wolff in Kanada

Der Grand Prix von Kanada sorgt besonders nach der Zieldurchfahrt für Gesprächsstoff (Formel 1 2019 live im Ticker!). Ist die Fünf-Sekunden-Strafe für Sebastian Vettel gerechtfertigt oder nicht? Hat der Deutsche Lewis Hamilton in Runde 48 in der Kurvenkombination 4 und 5 absichtlich zu wenig Platz gelassen, als er von seinem Ausritt durch das Gras zurück auf die Strecke gefahren kam? Selbst Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht ein: "Das war eine 60:40-Entscheidung."

"Wäre das mir passiert, dann hätte ich gegen dieses blöde Schild getreten und es gegen das Auto geworfen", lässt der Mercedes-Teamchef bei 'Sky' aufhorchen. Der Wiener gibt zu, dass die Emotionen von Vettel nach dem Rennen verständlich sind. "Emotionen sind da ganz logisch und gut für den Sport."

Er gibt zu, dass die Rennkommissare eine "schwierige Entscheidung" zu treffen hatte, die "sehr kontrovers" sei. Objektiv könne er die Situation allerdings nicht bewerten, schließlich steckt er in Mercedes-Schuhen. "Ich bin natürlich nicht objektiv und es gibt eine Regel, die besagt, dass man Platz lassen muss."

"Strafe im Prinzip richtig"

Im Interview mit 'RTL' präzisiert er: "Dann muss man eine Wagenbreite Platz lassen. Das war genau hier [nicht] der Fall. Das war ein bisschen so eine Reaktion, er verliert das Auto, er will die Position schützen und lässt diese Wagenbreite nicht und deswegen ist die Strafe von den Jungs da oben - da sitzt ja auch der Emanuele [Pirro], das sind echte Racer - im Prinzip richtig."

Aus der Sicht des Österreichers geht die Strafe gegen Sebastian Vettel zwar in Ordnung. Er kann aber auch verstehen, dass die Entscheidung "polarisiert". Schließlich war Ferrari drauf und dran den ersten Grand-Prix-Sieg in dieser Saison einzufahren.

Wolff unterstellt Vettel außerdem keine Absicht: "Ich denke, dass er instinktiv gedacht hat, dass er die Position verteidigen muss. Das war einfach ein wenig zu viel des Guten." Nachsatz: "Ist man Ferrari-Fan oder jemand, der gerne hartes Racing sieht, dann würde man wohl gerne Autoscooter-Mentalität sehen."

Wolff nimmt Rennkommissare in Schutz

Martin Brundle, TV-Experte und Ex-Racer, wirft daraufhin Wolff allerdings vor, dass er selbst doch ein Racer sei. Wäre diese Strafe gegen einen Mercedes-Fahrer ausgesprochen worden, dann wäre der Wiener ebenfalls verärgert, unterstellt ihm der Brite.

"Ich denke, die Kommissare müssen unterstützt werden. Emanuele [Pirro] war heute mit dabei, er könnte gar nicht professioneller und erfahrener agieren", kontert Wolff und versucht, die FIA-Kommissare in Schutz zu nehmen und deren Integrität zu wahren.

"Ich denke, sie müssen sich die Zwischenfälle anschauen und das sollte auch respektiert werden. Wir sollten nicht noch mehr zündeln." Von der Strafe an sich war aber sogar der Mercedes-Teamchef "ein wenig" überrascht, wie er zugibt.

Monaco-Strafe für Verstappen "zu milde"

"Weil ich nicht dachte, dass sie eine kontroverse Entscheidung fällen würden. Aber von einem Standpunkt der Regularien aus, haben sie einfach das Papier interpretiert." Das sei jedoch niemals einfach nur eine Schwarz-Weiß-Entscheidung.

"Es hat nie jemand hundert Prozent recht. Ich denke, das ist eine 60:40-Entscheidung für die Strafe. Aber es gibt auch Argumente für die Gegenseite und ich respektiere diese Meinung", versucht Wolff möglichst fair zu argumentieren.

"Wir werden immer eine Entscheidung der Rennstewards akzeptieren. Uns hat die Entscheidung in Monaco auch nicht gefallen, dass Valtteri in die Wand gedrückt worden ist in der Boxengasse und der andere dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe ausgefasst hat." Wolff bezeichnet die Strafe für Max Verstappen im Nachhinein als "vielleicht zu milde".

Wolff tritt für weniger Strafen ein

Mercedes wolle aber nicht ständig "umrühren und sich beklagen". "Das ist der sportliche Wettkampf, die Stewards müssen unterstützt werden in ihrer Entscheidungsfindung." Manchmal würden Entscheidungen einfach gegen einen ausfallen und manchmal für einen.

Generell würde sich Wolff weniger Strafen wünschen: "Ich denke, wir alle mögen hartes Racing. Und wenn man sich manchmal berührt, dann ist das die Konsequenz. Aber ich denke: Wir müssen uns auf die Regeln verlassen." Nachsatz: "Wenn wir die Regularien hin zu härterem Racing ändern wollen, bin ich der Erste, der dafür ist. Wird es etwas gefährlicher und aufregender, dann bin ich dabei."


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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon vettel-fan2011 » 09.06.2019, 23:33

60:40, ja, aber gegen und nicht für eine Strafe. ;)

Und nettes Bild von den beiden, scheint ne nette Beziehung zu sein. :D
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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon Sportsmann » 10.06.2019, 00:17

vettel-fan2011 hat geschrieben:60:40, ja, aber gegen und nicht für eine Strafe. ;)

Und nettes Bild von den beiden, scheint ne nette Beziehung zu sein. :D


Das hat er aus Diplomatiegründen gesagt um es sich nicht mit der FIA zu verderben. Die 60:40 oder das "präzisierte", er hätte "eine Wagenbreite Platz lassen müssen", sind da womöglich nicht die eigene Wahrnehmung.

Wenn man bedenkt wie im anderen Thread auf Vettel rumgehackt wurde, während selbst der Teamchef von Mercedes von einer knappen Entscheidung spricht, dann weiß man, dass die beste Strategie ist Userunsinn zu ignorieren. Gut das ist nicht die beste aber ökonomischste, die beste ist ggf. einfach mit wenigen Worten (z.B. "klar Vettels Schuld - Wolff siehts anders") einen Link zu diesem Artikel zu versenden.

Ganz toll finde ich auch, das hier klar gesagt wird - Vettels Emotionen seien verständlich und er hätte gegen das Schild getreten. Ein Ralf Schumacher (auf den ich mich eingeschossen habe) kam mir wie der Stereoptyp einer alten feinen Dame vor, die sich die sich voller Graus über eine Obszönität die Hand vor den Mund hält und "o gott o gott wie kann er nur" murmelt. "Aber das ist jetzt kindisch" sagte RSC. Ich sah es nicht ganz so, mir war eher RSC peinlich und nicht die nachvollziehbare Wut eines - seiner Ansicht nach - um einen Sieg Betrogenen. Die Schilder zu tauschen war eine Handlung mit Aussagekraft, wem der Sieg Vettels Ansicht nach gehört. Und FIA/LM haben diese Aussage auch bewusst gefilmt und dargestellt, anstatt wie die alte peinlich berührte Dame, im heimlichen ggf. noch die Schilder wieder richtig zu drehen.

Wolff kann mit fast allen gut, weil er sehr diplomatisch, kompetent und transparent ist (was seine Position und Interessen angeht). Er harmoniert nur nicht so gut mit selbstgefälligen Typen bzw. Quasselstrippen wie Dr. Helmut Marko und Mateschitz, die auch noch Konkurrenten sind. Einige werden sagen, das liegt daran, dass Dampflauderer einfach nicht zusammen passen, wie bei magnetischer Abstoßung. Es liegt aber wohl eher daran, dass es die Konkurrenz war, die dann auch noch persönlich beleidigt sein musste, weil man ihnen nach Renaultschelte keinen Motor gegeben hat, mit denen man dem MAMG-Werksteam Konkurrenz gemacht hätte (glaube ich rückblickend nicht). Aber der Niki hatte das doch schon erlaubt ;) Alle anderen kommen gut mit Wolff klar, auch die Konkurrenz von Ferrari. Und ggf. haben Todt und Wolff ja auch was zu beplaudern, falls Leclerc mal nicht mehr bei Ferrari will - der wird ja von Nikolas Todt gemanaged. Also immer freundlich bleiben - man weiß nie wozu es gut ist :winky:
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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon xMercedesx » 10.06.2019, 12:34

Toto hat wohl Mitleid weil alles andere kann ich mir das nicht erklären wie man hier von 60-40 sprechen kann.^^
Hätte es ein Lewis oder Vestappen gemacht dann wäre ich mal gespannt auf die Reaktionen.

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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon Meister_Eder » 10.06.2019, 12:47

Sind wir ehrlich, jeder andere Fahrer hätte genauso reagiert! Auch ein Lewis. Ich erinnere nur an die Saison 2009, als er im Mclaren ums überleben kämpfte!

Sowas ist Menschlich. Die Leistung die Sebastian gestern gezeigt hat, war schon erstklassig. Der Mer. ist klar das bessere Auto hatte mich sowieso gewundert, das er so lange vorne bleiben kann.

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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon icke » 10.06.2019, 12:52

xMercedesx hat geschrieben:Toto hat wohl Mitleid weil alles andere kann ich mir das nicht erklären wie man hier von 60-40 sprechen kann.^^
Hätte es ein Lewis oder Vestappen gemacht dann wäre ich mal gespannt auf die Reaktionen.

Nun, HAM war 2016 bei den 40 % - Glück für ihn.
Solange wir es nicht schaffen, einen Apfel herzustellen, können wir noch viel von der Natur lernen.

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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon Black Box » 10.06.2019, 13:03

Also wenn man sich die Situation Bild für Bild ansieht, dann hat Vettel nicht genug Platz gelassen, weil Hamilton auf Höhe der Hinterachse war und bis auf die weiße Linie fährt obwohl er es nicht hätte müssen. Früher würde dies nicht bestraft werden, aber heutzutage eben doch, dafür gibt es entsprechende Strafen und Regularien.

Ich kann Vettels Frust und Situation verstehen, sehr unglücklich, aber so ist es eben, läuft halt nicht.



0:58/59

EDIT:



0:08

Im Zweifel für den angeklagten, sehr eng das ganze, dann sollte man sich doch eher zurückhalten mit einer Strafe.


Schlussendlich für mich nicht genug um eine solch eine schwerwiegende Entscheidung zu ungunsten des Führenden auszusprechen.

Fazit:
Die F1/FIA reguliert sich selbst ins Aus.
*Michael wir sind in Gedanken bei Dir*
Der größte Gegner für dich, bist du selbst.(i.Allg.)
Zugunsten der Freiheit müssen wir mit dem Dreck, welcher ungefiltert nach außen posaunt und unter dem Deckmantel unreflektierter "eigener Meinung" steht, leben.

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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon ElementalRP1 » 10.06.2019, 14:20

Strafmaß ist doch vollkommen in Ordnung - man stelle sich alternativ eine Boxendruchfahrtsstrafe vor. Vettel macht in Drucksituationen zuviele Fehler; wäre die Fünf-Sekunden-Strafe nicht erfolgt, hätte Hamilton ihn weiter unter Druck gesetzt, was bei Hitzkopf Vettel unter Umständen zu einem Totalausfall geführt hätte (Crash in Wall(chen) of Champions o.ä.). Insofern kann Vettel froh sein, so seinen zweiten Platz ungefährdet ins Ziel bekommen zu haben.

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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon Al Rocker » 10.06.2019, 21:47

60% Chance wenn es Seb trifft
40% Chance wenn es Mercedes oder RB trifft
so kann man das auch auslegen

Sprittner
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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon Sprittner » 11.06.2019, 06:52

Ich finde die Strafe nicht gerechtfertigt.
VET will im Eifer des Gefechts sein Auto auf der Strecke halten und seine Position nicht auf noch verlieren.

Trotzdem, war mal wieder ein interessanter und spannender GP!

ABer das mit dem Nummernschild umstellen, das brauchts nun wirklich nicht. Aber das sieht ja auch jeder so wie er es möchte ;)

doc_joh
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Re: Mercedes-Teamchef Wolff über Vettel-Strafe: "Eine 60:40-Entscheidung"

Beitragvon doc_joh » 11.06.2019, 11:06

Das ist keine 60:40 Entscheidung, das ist ein No-Brainer. Racing vs. Kastration. Und man hat sich zugunsten der Kastration entschieden. Danke, FIA, das macht künftig für mich einiges leichter.


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