Sebastian Vettel

Sebastian Vettel
Deutschland

Porträt

(Stand: 4. Januar 2017) Spätestens seit dem "Wunder von Monza", dem Sensationssieg beim Grand Prix von Italien 2008 (im Toro Rosso im Regen), wurde Sebastian Vettel in Deutschland als möglicher Nachfolger Michael Schumachers gehandelt. Seit 2010 ist er tatsächlich der zweite deutsche Weltmeister in der Geschichte der Königsklasse des Motorsports. Mittlerweile hat Vettel vier WM-Titel, allesamt mit Red Bull, auf der Habenseite und stellte sich 2015 bei Ferrari einer neuen Herausforderung, die gleichzeitig Kindheitstraum auf den Spuren Schumachers ist. 2017 soll es für Vettel mit der Scuderia nach unverhofft gutem Einstand und einer großen Enttäuschung endlich um den WM-Titel gehen.

Die Motorsportkarriere des Heppenheimers begann 1995 im Kartsport. Dort eilte er von Erfolg zu Erfolg und schlug 2003 in seiner ersten Saison in der Formel BMW mit dem zweiten Gesamtrang gleich voll ein. 2004 war er dann nicht mehr zu bremsen: 18 Siege in 20 Rennen bedeuteten überlegen die Meisterschaft und bis heute einen Rekord.

2005 hatte Vettel zunächst Startschwierigkeiten in der Formel-3-Euroserie, in der er dennoch als bester Neuling Gesamtfünfter wurde (Meister: Lewis Hamilton vor Adrian Sutil). 2006 kämpfte er sogar bis zum Schluss gegen Paul di Resta um den Titel, allerdings erfolglos. Eine erste große Talentprobe gab er bereits mit seinem beeindruckenden Formel-1-Einstand im BMW ab, als er in der Türkei gleich in seinem ersten Formel-1-Training Bestzeit fuhr. Anschließend fanden zwei Siege bei Gasteinsätzen in der Renault-World-Series ihren Weg in die Vita. In der Formelserie war Vettel 2007 parallel zu seinem Engagement als Formel-1-Testfahrer aktiv.

Schon in seiner ersten Saison als offizieller Ersatzfahrer von BMW kam der sympathische Heppenheimer, dessen Beckenbauer-Parodie im Fahrerlager Kultstatus genießt, zum Einsatz, als Stammfahrer Robert Kubica in Kanada einen schweren Unfall hatte und aus Sicherheitsgründen beim Grand Prix der USA pausierte. In Indianapolis holte sich Vettel als Achter einen WM-Punkt und schrieb damit als jüngster Punktesammler der Formel-1-Geschichte. Er war 19 Jahre und 349 Tage alt.

Ende Juli erhielt er die Freigabe von BMW, nachdem Toro Rosso einen Nachfolger für Scott Speed suchte. Vettel wurde vom italienischen Rennstall ab dem Grand Prix von Ungarn für den Rest der Saison als Stammfahrer eingesetzt und zudem für die Saison 2008 bestätigt. Seine starken Auftritte bei den Asien-Rennen zuvor und der anschließende Sensationssieg in Italien festigten den Status als Wunderkind. Insgesamt erfüllte er die Erwartungen im Juniorteam des Getränkekonzerns voll, was ihm die Beförderung zu Red Bull einbrachte.

2009 startete er dann endgültig durch: Vettel feierte vier weitere Grand-Prix-Siege und hatte bis zum vorletzten Rennen in Brasilien Titelchancen. Schließlich musste er sich aber Jenson Button geschlagen geben. Es war das vorerst letzte Mal, dass Vettel einem Konkurrenten im Titelkampf den Vortritt lassen musste. Schon 2010 krönte er im Alter von 23 Jahren und 135 Tagen als jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte seine bisherige Karriere: Er reiste damals als krasser Außenseiter zum Saisonfinale nach Abu Dhabi, wo er Fernando Alonso sowie seinen Ex-Teamkollegen Mark Webber mit einem Sieg noch abfing und für ein Märchen aus 1001 Nacht sorgte.

2011 gelang ihm die Titelverteidigung in beeindruckender Manier. Vettel holte elf Siege und 17 Podestplätze in 19 Rennen: Rekord. Auch 15 Pole-Positions, 18 Starts aus der ersten Reihe und 739 Führungsrunden in diesem Jahr bedeuteten historische Bestmarken. 2012 folgte der dritte Streich, allerdings musste der Deutsche bis zum Saisonfinale in Brasilien gegen Dauerrivale Alonso kämpfen. Ein Jahr später war es ein Spaziergang: Vettel sicherte sich bereits nach 16 von 19 Saisonrennen in Indien den vierten WM-Titel in Folge und sorgte erneut für Rekorde: 13 gewonnene Grands Prix in einer Saison und neun Siege in Serie, beginnend in Belgien bis zur letzten Zielflagge. Noch wichtiger war es für Vettel jedoch, mit seinem Erfolg am Nürburgring den ersehnten Heimsieg zu landen.

Mit Vettels Dominanz prägte auch sein Red-Bull-Team die Formel 1 und holte von 2010 bis 2013 vier Titel in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Immer wieder gab es deshalb Beschwerden bezüglich die Legalität der von Stardesigner Adrian Newey entworfenen Boliden, denen die FIA aber nur in wenigen Fällen stattgab. Auch sein Stallduell mit Webber bleibt den Fans im Gedächtnis: Das Verhältnis zum Australier blieb bis zuletzt frostig, auch wegen der Affäre um den Funkspruch "Multi 21" beim Malaysia-Grand-Prix 2013.

Erst 2014 endete die Dominanz Red Bulls und damit auch die interne Vorherrschaft Vettels. Im Vergleich mit dem aufstrebenden Daniel Ricciardos zog er, von technischen Problemen geplagt, meistens den Kürzeren und schloss die WM auf dem fünften Gesamtrang ab. Es war die erste volle Formel-1-Saison, in der er ohne jeden Grand-Prix-Sieg blieb und offenbar Zeit für einen neuen Impuls: In Japan verkündete Red Bull die Trennung, in Abu Dhabi war der Wechsel zu Ferrari perfekt.

In der Saison 2015, seinem ersten Jahr bei der Scuderia, hatte Vettel Freund und Teamkollege Kimi Räikkönen klar im Griff. Schon in seinem zweiten Rennen in Rot in Malaysia siegte er sensationell und weckte bei den Tifosi die Hoffnungen, dass die Mercedes-Dominanz zu brechen sein könnte. Zwar etablierte sich Vettel als dritte Kraft im Feld und holte zwei weitere Grand-Prix-Erfolge, doch gegen Lewis Hamilton und Nico Robserg war meist kein Kraut gewachsen.

Dennoch: Die Kombination Vettel und Ferrari harmonierte, schließlich war der Heppenheimer in Maranello als Erlöser nach einer sieglosen Saison ein gefeierter Held. Die Traumehe kriselte aber 2016, als die erhofften Fortschritte bei den Roten ausblieben, sie hinter Red Bull zurückfielen und Teamchef Maurizio Arrivabene offen Kritik an Vettel übte, als er ihn als Hansdampf in allen Gassen beschrieb. Ein Jahr ohne Grand-Prix-Sieg beendete als Vierter der Gesamtwertung.

Privat ist Vettel eine ruhige Erscheinung und seit der gemeinsamen Schulzeit mit Hanna Sprater liiert. Im Januar 2014 freute sich das auf einem renovierten Bauernhof in der Schweiz lebende Paar über die Geburt von Tochter Emily. Im September 2015 gab es zum zweiten Mal Babyglück mit Matilda, was Vettel jedoch lange geheim hielt. Seine Erfolge haben Vettel zahlreiche Ehrungen eingebracht, darunter die Ehrenbürgerwürde der Stadt Heppenheim, das Silberne Lorbeerblatt, die Titel als Sportler des Jahres in Deutschland und Europa sowie nicht zuletzt auch die Ehrenmitgliedschaft bei seinem Lieblingsfußballklub Eintracht Frankfurt.

formel-1-countdown

Formel-1-Datenbank

Formel-1-Datenbank: Ergebnisse und Statistiken seit 1950
Formel-1-Datenbank:
Ergebnisse und Statistiken seit 1950

Jetzt unzählige Statistiken entdecken & eigene Abfragen erstellen!

Fotos & Fotostrecken

Triumphe & Tragödien in Monaco
Triumphe & Tragödien in Monaco
Die hässlichsten Ideen der Formel-1-Historie
Die hässlichsten Ideen der Formel-1-Historie

F1 Backstage: Barcelona
F1 Backstage: Barcelona

GP Spanien, Highlights 2017
GP Spanien, Highlights 2017

Großer Preis von Spanien
Großer Preis von Spanien
Sonntag

Folge Formel1.de