• 02. August 2017 · 21:38 Uhr

McLaren-Rookie Lando Norris überzeugt beim Test in Ungarn

Der 17-jährige Brite setzt die zweitschnellste Testzeit und ist sogar schneller als Fernando Alonso im Qualifying - McLaren-Honda wieder ohne Defekte

(Motorsport-Total.com) - Während die Motorsport-Welt nach den Formel-1-Testfahrten in Budapest über das Comeback von Robert Kubica spricht, stellte ein junger Mann die Leistungen des Polens fast ein wenig in den Schatten. McLaren-Junior Lando Norris überzeugte bei seiner ersten Ausfahrt in einem Formel-1-Auto auf der ganzen Linie: Der 17-Jährige absolvierte am Mittwoch nahezu fehlerfrei 91 Umläufe. Seine schnellste Runde von 1:17.385 Minuten brachte ihm nicht nur den zweiten Platz in der Testtabelle hinter Ferrari-Star Sebastian Vettel ein, sondern war auch noch fast zwei Zehntelsekunden schneller als die Qualifying-Bestrunde von Fernando Alonso.

Lando Norris

Lando Norris zeigte in seiner ersten Formel-1-Ausfahrt eine starke Vorstellung Zoom Download

Zwar durfte der Brite dabei auf Ultrasoft-Pirellis setzen, die am vergangenen Rennwochenende nicht zur Verfügung standen. Doch selbst auf Supersoft-Reifen war der Formel-3-Pilot auf einem ähnlichen Niveau unterwegs wie die Stammfahrer Alonso und Stoffel Vandoorne. Der Belgier hatte beim ersten Testtag am Dienstag am Steuer gesessen und seine schnellste Runde in einer Zeit von 1:17.834 Minuten in den Asphalt gebrannt. Ein mehr als beachtliches Debüt von Norris, der den Test als Preis für den Gewinn des Autosport-BRDC-Awards bekommen hatte.

Am Ende des Testtages gab es dementsprechend zufriedene Gesichter in der McLaren-Box. "Heute war ein sehr aufregender Tag für mich, auf den ich mich schon seit geraumer Zeit gefreut habe", jubelt der junge Engländer. "Es war sehr produktiv für uns alle. Ich konnte alle Aufgaben bewältigen, die das Team mir aufgetragen hat, alles lief super!" Erstaunlich schnell gewöhnte sich der 17-Jährige im Laufe des Vormittags an den MCL32. Nachdem er sich mit den Knöpfen und Schaltern am Lenkrad vertraut gemacht hatte, ging es schon bald an die Arbeiten am Set-up.

Eric Boullier: "Ein möglicher Star der Zukunft"

Handling, Gewichtsverteilung und Aerodynamik standen auf dem Testplan der McLaren-Truppe, die ihr Programm ohne Probleme durchziehen konnte. Kein Wunder, dass Rennleiter Eric Boullier seinen Rookie in höchsten Tönen lobt: "Lando hat uns mit seiner Reife, seiner Professionalität und seinem Speed beeindruckt. Er kam wahnsinnig schnell mit dem Auto zurecht und gab den Ingenieuren wertvolles und genaues Feedback. Er ist definitiv ein Zugewinn zu unserem Fahrer-Line-up - ganz zu schweigen davon, dass er ein potenzieller Star der Zukunft ist", so der Franzose.

Viele Motorsportfans waren auf das Debüt des jungen Briten gespannt, der mit großen Vorschusslorbeeren aus den Nachwuchsklassen ausgestattet ist. Mit 14 Jahren wurde er der jüngste Kart-Weltmeister der KF-Klasse, ein Jahr darauf sicherte er sich die britische Formel-4-Meisterschaft. Nach weiteren Erfolgen in der Toyota-Serie in Neuseeland und dem Formel Renault 2.0 Eurocup bekam er in seiner Heimat den Autosport-BRDC-Award verliehen und wurde ins McLaren-Förderprogramm aufgenommen. Aktuell liegt er in seiner ersten Saison in der Formel-3-EM auf dem zweiten Zwischenrang in Schlagdistanz zum Führenden Maximilian Günther.

McLaren-Honda im Aufwind: Ungarn lässt hoffen

58 Runden am Vormittag, weitere 33 am Nachmittag standen am Ende seines ersten Testtages in einem Formel-1-Auto zu Buche. Nur einmal, unmittelbar vor der Mittagspause, unterlief ihm ein kleiner Dreher auf der Strecke, bei dem er den McLaren aber nicht beschädigte. "Am Anfang war es schon eine Herausforderung, das Auto kennenzulernen. Dann habe ich mich aber sehr wohl gefühlt, viele Runden gedreht und es genossen. Danke ans Team für diese Chance - die erste von hoffentlich vielen weiteren", zeigt er sich schon erstaunlich abgebrüht.

Auch bei der Teamführung gibt es vor der Abreise aus Ungarn ausnahmslos zufriedene Gesichter. Mit den Plätzen sechs und zehn im Grand Prix, der schnellsten Rennrunde von Alonso und zwei nahezu problemlosen Testtagen scheint sich die Stimmung in der gebeutelten Truppe etwas aufzuhellen. Rennleiter Boullier spricht von einem "großen Schub" für seine Mannschaft.

"Wir konnten viele Runden ohne Zwischenfälle absolvieren und große Fortschritte in unserem Testprogramm erzielen. Das alles ist sehr wertvoll für die weitere Entwicklung unseres Pakets für Spa und die weiteren Rennen", so der Franzose abschließend. In der zweiten Saisonhälfte stehen für sein Team wegweisende Entscheidungen an - unter anderem der Verbleib von Star-Pilot Alonso und die Fortführung der Partnerschaft mit Honda.

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