• 12. Oktober 2017 · 09:54 Uhr

Motorenregeln 2018: Strafenchaos oder Kostenexplosion?

Noch weniger Motoren erlaubt als aktuell: 2018 könnte es deutlich mehr Gridstrafen in der Formel 1 geben - Die Hersteller warnen derweil vor explodierenden Kosten

(Motorsport-Total.com) - Der Formel 1 könnte in der Saison 2018 ein noch größeres Strafenchaos drohen als in diesem Jahr. Hintergrund: In der neuen Saison sind noch einmal weniger Antriebsteile erlaubt als aktuell. Dürfen die Teams 2017 noch je vier Verbrennungsmotoren (ICE), Turbolader (TC), MGU-H, MGU-K, Energiespeicher (ES) und Kontrollelektroniken (CE) erlaubt sind, sinkt das Limit 2018 auf je drei ICE, TC und MGU-H und sogar nur noch zwei MGU-K, ES und CE.

Fernando Alonso

Fernando Alonso und Co. drohen 2018 noch deutlich mehr Rückversetzungen Zoom Download

Eigentlich soll durch diese Verschärfung der Regeln eine Kostenersparnis erzielt werden. Doch bei Honda glaubt man, dass dieser Schuss komplett nach hinten losgehen wird. Sportchef Yusuke Hasegawa erklärt, dass es für einige Hersteller - darunter auch Honda - "sehr schwierig" werden wird, mit nur drei Antriebseinheiten durch die gesamte Saison zu kommen.

"Drei Motoren werden die Kosten nicht reduzieren", stellt er klar und erklärt: "Die Herausforderung besteht dann darin, die Performance an diesen drei Motoren zu verbessern. Dafür brauchen wir dann ein höheres Budget. Die FIA möchte die Kosten dadurch reduzieren, aber das genaue Gegenteil ist der Fall." Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff glaubt nicht, dass die Kosten 2018 signifikant sinken werden.


Fotos: Großer Preis von Japan


Man habe zwar "weniger Hardware" - also weniger Motoren -, dafür würden aber die Entwicklungskosten steigen, um die geforderten längeren Laufzeiten der Aggregate zu erreichen. Zum Vergleich: 2017 haben nach 16 der 20 Saisonrennen bereits neun der 20 Piloten - also fast die Hälfte des Feldes - mindestens eine Gridstrafe bekommen, weil sie das erlaubte Motorenmaximum überschritten haben.

Explodieren die Entwicklungskosten?

Folglich müssen die Hersteller wohl eine Menge Geld in die Entwicklung pumpen, um 2018 mit nur drei Einheiten durch die gesamte Saison zu kommen. Andernfalls drohen massenweise Strafversetzungen in der Startaufstellung. In diesem Jahr haben alle 20 Piloten zum jetzigen Zeitpunkt bereits die vierte Power-Unit im Auto. 2018 würde das bedeuten, dass alle Fahrer jetzt bereits mindestens eine Strafe bekommen hätten.


Fotostrecke: Honda-Meilensteine in der Formel 1

"Es gibt eine Regel, und jetzt ist es etwas zu spät, um diese noch zu ändern", erklärt McLaren-Renndirektor Eric Boullier und erinnert: "Diese Regel ist seit einigen Jahren bekannt. Alle haben sehr hart daran gearbeitet, die Motoren im nächsten Jahr zuverlässiger zu machen." Er ist der Meinung, dass man 2018 "sehr limitiert" sei. An eine kurzfristige Änderung, die nur mit der Zustimmung aller Teams möglich wäre, glaubt er aber nicht.

"Ich bin kein Freund von Strafen gegen den Fahrer. Sie sehen lächerlich aus", erklärt Toto Wolff derweil und verweist auf die 35 Strafplätze, die Fernando Alonso zuletzt in Suzuka aufgebrummt bekam. "Wir müssen uns überlegen, ob uns ein System einfällt, das den Fahrer weniger bestraft", grübelt Wolff, der allerdings gleichzeitig warnt, dass die Kosten dabei nicht explodieren dürften. Eine Gratwanderung.

"Lächerliche" Gridstrafen in der Kritik

Denn der Österreicher warnt: "Wir wollen nicht zu jedem Rennen einen neuen Motor mitbringen, nur weil es dafür keine sportliche Strafe gibt." Klar ist nämlich auch, dass finanzielle Strafen den großen Teams kaum wehtun würden. Diese würde man wohl einfach schlucken und dann mehr oder weniger beliebig viele Motoren einsetzen - während die kleinen Teams in die Röhre schauen würden.

Aber wie viele Motoren wären überhaupt optimal? "Das ist schwer zu sagen", grübelt Yusuke Hasegawa. "20 Motoren pro Jahr wären natürlich zu viel", ist er sich bewusst und erklärt, dass "vier oder fünf" Antriebseinheiten eine vernünftige Zahl wären. "Ich denke nicht, dass sich das Strafensystem ändern wird", winkt Eric Boullier derweil ab. Allerdings kann er sich vorstellen, dass man kleine Anpassungen vornehmen wird, um es "leichter verständlich" zu machen.

"Es ist aber noch zu früh, um darüber zu sprechen", bremst er die Erwartungen. In die Strategiegruppe habe man nämlich noch nicht darüber diskutiert, obwohl das Thema bereits auf dem Zettel stehe. Denn neu ist das Problem keinesfalls. Bereits seit Jahren stehen die Gridstrafen immer wieder in der Kritik. Toto Wolff nimmt es mit Galgenhumor und erklärt: "Ich bin seit 2009 hier, und wir reden immer wieder über die gleichen Dinge ..."

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