• 20. März 2017 · 15:39 Uhr

Paddy Lowe: Williams muss 2017 Vierter oder besser werden

Mit Paddy Lowes Rückkehr zu Williams als Technikchef schließt sich der Kreis: Welche Ziele er hat, wieso er so wichtig für das Team war und wer nun das letzte Wort hat

(Motorsport-Total.com) - Mit der Verpflichtung des ehemaligen Mercedes-Technikverantwortlichen Paddy Lowe ist dem Williams-Team ein genialer Coup gelungen. Für den Briten, der in Kenia geboren wurde, ist es ein sentimentales Comeback, da er nach seinem Uni-Abschluss in Cambridge 1987 beim britischen Team seine Formel-1-Karriere begann. Nun will er dem Team zu neuen Höhenflügen verhelfen. Mit dem aktuellen fünften Platz in der Konstrukteurs-WM ist er alles andere als zufrieden: "Wir peilen Platz vier und darüber hinaus an", sagt er gegenüber 'Motorsport-Total.com' an. "Das ist das Minimalziel in dieser Saison."

Paddy Lowe

Sentimental Comeback: Paddy Lowe will Williams zu alter Stärke zurückführen Zoom Download

Und dass der 54-Jährige das Zeug dazu hat, hat er bei den Silberpfeilen mit drei WM-Titeln in Folge bewiesen. Außerdem war er der Mann, der Williams neben dem genialen Aerodynamiker Adrian Newey Anfang der 1990er-Jahre zur dominanten Kraft machte. Der Brite, der vom damaligen Williams-Testfahrer Damon Hill in seiner Biographie "Watching the Wheels" als "Computergenie" bezeichnet wurde, hatte die bahnbrechende aktive Radaufhängung erfunden, die Newey erst die Möglichkeit gab, die Aerodynamik auszureizen.

Gemeinsam mit dem Starpiloten Nigel Mansell, der als besonders kräftiger Fahrer galt, zog man so der überlegenen Kombination Senna & McLaren den Zahn und leitete die letzte große Williams-Ära ein. Kein Wunder, dass auch Lowe, der 1993 von McLaren abgeworben wurde, bei seiner Rückkehr an den Ort, wo alles begann, sentimental wird.

Lowe und Williams: Der Kreis schließt sich

"Das ist wirklich eine tolle Geschichte", sagt er. "Ich muss das auch erst realisieren. Die Rückkehr war sehr emotional." Lowe muss sich dennoch an eine neue Umgebung gewöhnen, denn in seiner ersten Williams-Ära arbeitete er in Didcot, seit 1996 ist das Team aber im 17 Kilometer entfernten Grove beheimatet.

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Lowes aktive Radaufhängung war einer der Eckpfeiler des Williams-Aufstiegs Zoom Download

Nicht ohne Stolz sagt er: "Es ist etwas ganz Besonderes, zurückzukehren und den Posten meines ursprünglichen Bosses Patrick Head einzunehmen." Und ähnlich wie Head damals besitzt nun auch Lowe Anteile am Williams-Rennstall und ist Teil des Vorstands. Teamchef bleibt aber weiterhin Teamlegende Frank Williams, obwohl dessen Tochter Claire Williams bereits seit vielen Jahren das Tagesgeschäft leitet.

Trotz der Änderungen erkennt Lowe sein altes Team wieder. "Die Kultur in diesem Team wurde von Frank und Patrick bereits in den Anfangszeiten geprägt, und sie ist so heute so lebendig wie damals", meint er. "Frank ist ein echter Racer, und er denkt über nichts anderes nach. Genau das prägt die Firmenkultur." Er erkennt durch seine Ankunft durchaus eine Art Aufbruchsstimmung: "Die Leute sind sehr froh, dass ich zu ihnen stoße."

Kommandostand: Wer hat bei Williams das letzte Wort?

Dennoch will nicht zu sehr in Sentimentalitäten verfallen. "Es geht nicht darum, alte Geschichten zu erzählen, sondern um die Frage, wie es weitergeht. Und ich bin sehr glücklich mit dem, was ich bisher gesehen haben und mit unserer Basis."


Fotostrecke: Die Williams-Story

Interessant ist aber, dass Lowe bei Williams nicht wie bei Mercedes als für die Technik verantwortlicher Teamchef fungieren wird, sondern tatsächlich Technikchef sein wird. Wer wird also am Kommandostand das letzte Wort haben - er oder Claire Williams? "Das wird von der Fragestellung abhängen", antwortet Lowe.

"Es könnten knifflige Fragen aufkommen, die in meine Richtung gehen und meine Entscheidung erfordern, andere werden Claires Entscheidung erfordern, weil sie sich um ihre Themen drehen." Eine allgemeine Antwort auf diese Frage sei nicht möglich, aber er habe "eine operative Funktion am Kommandostand inne, was das letzte Wort angeht".

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