McLaren und Honda: So läuft die Scheidung

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McLaren und Honda: So läuft die Scheidung

Beitragvon Redaktion » 03.11.2017, 17:04

Die Trennung zwischen McLaren und Honda ist komplexer als gedacht: Wie sie läuft, wann Boullier erstmals Alarm schlug und welches Geschenk es von Renault gab
Zak Brown; Yusuke Hasegawa

Zak Brown und Yusuke Hasegawa: Die Scheidung hat längst begonnen

McLaren wechselt 2018 von Honda- zu Renault-Motoren. Was simpel klingt, ist allerdings ein enormer Kraftakt. Die Beziehung zwischen dem Traditionsteam und dem japanischen Automobilgiganten ging weit über eine Kundenbeziehung hinaus: Honda schoss einen großen Teil des McLaren-Budgets zu. Und damit die Partnerschaft von Erfolg gekrönt ist, bemühte man sich vor vier Jahren um eine möglichst enge Verzahnung zwischen Sakura und Woking. All das muss nun in kurzer Zeit aufgelöst werden.

Aus kommerzieller Sicht koordinieren Teamboss Zak Brown, Geschäftsführer Jonathan Neale und Finanzchef John Cooper die Trennung, aus technischer Sicht hat jede Abteilung einen eigenen Verantwortlichen. "Bei uns weiß der linke Fuß, was der rechte Fuß macht", meint Brown stolz. "Wir kommunizieren wirklich gut als Gruppe. Alles läuft glatt, und ich rechne nicht mit großen Hürden."

Warum so viele Einzelpersonen für die Trennung zuständig sind? "Wir hatten so eine tiefgreifende Verbindung", argumentiert Rennleiter Eric Boullier. "Das geht von den Zugangsberechtigungen zur Fabrik in Sakura und zum McLaren Technology Center über die Lizenzen bis zur Software - das kann keine Einzelperson machen. Das ist zu breit angelegt."

Das Einstandsgeschenk von Renault

Zak Brown, Cyril Abiteboul

Renault-Boss Abiteboul und Brown: In nur 24 Stunden hatte McLaren alle Daten

Die Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen wurden also bis ins Detail analysiert, um eine saubere Trennung durchführen zu können. "Wir mussten uns das alle anschauen und entscheiden, wo wir die Verbindung trennen und wo wir den Informationsaustausch auf ein Minimum reduzieren müssen", gibt Boullier Einblicke. Denn: Die Saison ist noch nicht zu Ende. Der Betrieb muss in Brasilien und in Abu Dhabi trotz des bevorstehenden Endes gewährleistet sein. "Gleichzeitig öffnen wir uns in Richtung Renault", meint der Franzose.

Boullier zeigt sich begeistert jetzt von der Zusammenarbeit mit seinen Landsleuten begeistert: "Wir müssen Renault dankbar sein, denn durch die Zusammenarbeit mit mehreren Teams waren sie darauf vorbereitet, uns ein Paket mit Daten und Informationen zu übermitteln. Wir hatten also innerhalb von 24 Stunden nach der Vertragsunterzeichnung alle nötigen Informationen."

Trotz allem sitzt die Enttäuschung über das Scheitern der einstigen Traumehe aber immer noch tief. Und langsam kommen auch Details ans Tageslicht. "Eric war intern der Erste, der ernsthafte Bedenken für die Saison 2017 anmeldete. Das ist im Winter passiert", verrät Brown. Dass dieser Eindruck stimmt, zeigte sich wenig später bei den Wintertests in Barcelona.

Montreal als Ende aller Hoffnungen

Doch ab welchem Zeitpunkt war der Bruch nicht mehr zu kitten? "Rund um Montreal wussten wir, dass die unterschiedlichen Herangehensweisen, um die Beziehung zu retten, nicht funktionieren würden - und dann haben die Gespräche begonnen", erinnert sich Brown. Trotz allem hätte auch er laut eigenen Angaben vor vier Jahren den Vertrag mit den Japanern unterschrieben: "Jeder hätte diesen Deal gemacht. Auf dem Papier war es ein großartiger Vertrag. Und jetzt im Nachhinein darüber zu urteilen, ist unfair. Es war die richtige Entscheidung, aber es hat nicht funktioniert."

Und auch Boullier verteidigt die damaligen Schritte: ""Wenn die Beziehung mit Mercedes den Bach hinuntergeht und Honda anklopft, dann muss man die Chance nutzen, vor allem in Anbetracht der gemeinsamen Vergangenheit. Daher bereuen wir nichts. Es ist immer einfach, im Nachhinein eine Entscheidung zu kritisieren."


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Re: McLaren und Honda: So läuft die Scheidung

Beitragvon phenO » 03.11.2017, 19:05

Der Schritt zu Honda zu wechseln war goldrichtig. Wenn diese ein auch nur ansatzweise konkurrenzfähiges Paket geliefert hätten, dann hätte man jetzt ein super funktionierendes Team mit Top-Piloten und ohne Ende Kohle in der Tasche.
Leider hat Honda aber komplett versagt und ihren Teil der Ehe nicht zufriedenstellend erledigt. Also trennt man sich und auch das ist wieder goldrichtig.
Es gilt für McLaren jetzt auf Renault zu hoffen und ggf. schon mal bei diversen Herstellern wegen 2021 die Liefermöglichkeiten abzuklopfen.

Das Management bei McLaren arbeitet sehr gut, ich habe vollstes Vertrauen in ihre Fähigkeiten und bin mir sicher, dass sie nicht den „Williams-Weg“ gehen und auf Jahre oder gar endgültig ins niedere Mittelfeld abrutschen werden.

Wichtig wäre, dass das Technikteam 2018 beweist, dass man vom Auto her ungefähr auf Niveau von RB agiert um die wichtigen Ingenieure zu halten oder durch bessere zu ersetzen. Das man direkt mit RB kämpft halte ich für zu ambitioniert, da diese deutlich mehr Erfahrung mit der Renault-PU haben.
Aber wir werden sehen...
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Re: McLaren und Honda: So läuft die Scheidung

Beitragvon Osmium » 03.11.2017, 20:41

Ich habe kein so großes Vertrauen mehr in McLaren. Früher war das anders, da waren sie zwar auch öfter mal mit dem neuen Auto zu überambitioniert, haben das im Saisonverlauf aber fast immer in Griff bekommen und haben mindestens einige Siege eingefahren.
Aber der Abstieg begann bereits 2 Jahre vor Honda, als man noch konkurrenzfähige Mercedes-Motoren hatte. 2013 und 2014 nur 5ter in der Gesamtwertung. Das ganze Gefasel wie "Wir scheitern nur durch den Antrieb, wir haben aber eigentlich das beste Chassis!" kann keiner überprüfen und ist daher als heiße Luft zu werten. Meine Vorhersage: von Red Bull werden sie nächste Saison weit entfernt sein und weiterhin tief im Mittelfeld dümpeln.

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Re: McLaren und Honda: So läuft die Scheidung

Beitragvon _alec » 04.11.2017, 03:17

..seh ich genauso ..Mittelfeld.

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Re: McLaren und Honda: So läuft die Scheidung

Beitragvon Kimi0804 » 04.11.2017, 10:52

Erstmal sollte man sich FI als Beispiel nehmen. Sollte man mit denen nächste Saison auf Augenhöhe sein bzw. sogar schlagen, ist das schon mal ein Erfolg. Bis dahin würde ich erstmal abwarten. McLaren muss sich auch erstmal wieder beweisen. 2018 kann es dann keine Ausrede mehr geben.
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Re: McLaren und Honda: So läuft die Scheidung

Beitragvon Pentar » 04.11.2017, 20:01

Kimi0804 hat geschrieben: :chat:

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Re: McLaren und Honda: So läuft die Scheidung

Beitragvon Aldo » 05.11.2017, 01:34

Osmium hat geschrieben:Ich habe kein so großes Vertrauen mehr in McLaren. Früher war das anders, da waren sie zwar auch öfter mal mit dem neuen Auto zu überambitioniert, haben das im Saisonverlauf aber fast immer in Griff bekommen und haben mindestens einige Siege eingefahren.
Aber der Abstieg begann bereits 2 Jahre vor Honda, als man noch konkurrenzfähige Mercedes-Motoren hatte. 2013 und 2014 nur 5ter in der Gesamtwertung. Das ganze Gefasel wie "Wir scheitern nur durch den Antrieb, wir haben aber eigentlich das beste Chassis!" kann keiner überprüfen und ist daher als heiße Luft zu werten. Meine Vorhersage: von Red Bull werden sie nächste Saison weit entfernt sein und weiterhin tief im Mittelfeld dümpeln.

Mit dem kleinen aber feinen Unterschied dass das McLaren von 2013/14 genauso wenig mit dem heutigen zutun hat, wie das aktuelle Ferrari mit dem von 2014. Bei keinem anderen Team gab es mehr Personalveränderungen - Ende 2014 mit dem Dazustoßen namenhafter RB Mitarbeiter aus deren Weltmeister Jahren. Ein Vergleich mit den Vorjahren hinkt also komplett, ein Vergleich zwischen 2015-2017 ist ja nicht möglich, da Honda merklich den größten Nachteil ausmacht.

Und die Aussage mit dem Chassis von dir ist einfach Quark. Das gesamte Fahrerlager lobpreist das Chassis von McLaren, jeder Experte tut das, weil es anhand von Daten der Teams und auch gewissen Ergebnissen auf der Strecke ersichtlich ist. Egal was nächstes Jahr ist, Fakt ist, McLaren hat in diesem Jahr hinter den ersten drei kein bedeutend schlechteres Chassis. Wer es nicht glauben mag, einfach mal die ganzen Artikel bei AMuS durchlesen und die Aussagen von Herrn Schmidt anhören. Das hat nichts mit heißer Luft zutun sondern ist Realität.

https://www.auto-motor-und-sport.de/for ... 77394.html
https://www.auto-motor-und-sport.de/for ... 66565.html
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