Weltmeister Lewis Hamilton: Die Diva war 2017 der Silberpfeil

Kommentiere hier die Porträts der Formel-1-Stars

Moderatoren: News&Rennen, News & Rennen Moderatoren, Mods, Redaktion

Redaktion
Rennsportlegende
Rennsportlegende
Beiträge: 5945
Registriert: 12.09.2007, 17:33

Weltmeister Lewis Hamilton: Die Diva war 2017 der Silberpfeil

Beitragvon Redaktion » 29.10.2017, 21:49

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton im Porträt: Wie er dieses Jahr vom Bad Boy zum Mr. Fairplay wurde und wieso ihn sein Rockstar-Lifestyle nicht bremst
Er hat es geschafft! Lewis Hamilton hat sich seinen vierten WM-Titel gesichert und mit Sebastian Vettel und Alain Prost gleichgezogen. Obwohl der Brite den Titel am Ende vorzeitig gewinnen konnte, hatte Sebastian Vettel im WM-Kampf 2017 die Nase lange Zeit vorne. Wir blicken noch einmal zurück ...

Er hat es geschafft! Lewis Hamilton hat sich seinen vierten WM-Titel gesichert und mit Sebastian Vettel und Alain Prost gleichgezogen. Obwohl der Brite den Titel am Ende vorzeitig gewinnen konnte, hatte Sebastian Vettel im WM-Kampf 2017 die Nase lange Zeit vorne. Wir blicken noch einmal zurück ...

Jahrelang musste Lewis Hamilton zusehen, wie Sebastian Vettel Titel um Titel gewinnt und an ihm vorbeizieht. Doch nun hat es der britische Mercedes-Superstar ausgerechnet im direkten Duell mit dem Ferrari-Piloten geschafft, seinen vierten WM-Titel zu holen - und damit nicht nur mit Vettel gleichzuziehen, sondern auch mit Legende Alain Prost.

"Lewis hat in diesem Jahr brillante Leistungen gezeigt, ganz besonders seit der Sommerpause", schwärmt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Seitdem fuhr er in einer eigenen Liga."

Es ist ein WM-Triumph, wie ihn sich der 32-jährige Brite gewünscht hatte: Nach der schmerzhaften Niederlage gegen seinen Erzfeind und Teamkollegen Nico Rosberg siegte er dieses Jahr vor allem dank seiner fahrerischen Extraklasse. Von den Launen vergangener Jahre war dieses Jahr nichts zu spüren - die Diva war stattdessen sein Silberpfeil. Dazu kommt, dass er mit Vettel gegen den erfolgreichsten Piloten der Gegenwart triumphierte - in einem Ferrari. Das ist auch für das Ego gut.

Wie Hamilton das Bad-Boy-Image loswurde

Dennoch lassen sich auch dieses Jahr typische Muster bei Hamilton erkennen: Nach einer Achterbahnfahrt in der ersten Saisonhälfte eskalierte die Feindschaft in Baku, als ihm Rivale Vettel nach einer unglücklichen Kollision am Ende der Safety-Car-Phase mit voller Absicht ins Auto fuhr.

Lewis Hamilton, Sebastian Vettel

Eskalation in Baku: Hamilton spielte im Konflikt mit Vettel die Saubermann-Rolle

Der Rammstoß schien Hamilton, der aus der Reibung mit einem Konkurrenten Kraft gewinnt, so richtig aufzuwecken. "Er braucht einen Feind, manchmal mehr als einen. So tickt er", bestätigt Wolff. Und als sich die Formel-1-Welt auf Vettel einschoss, nutzte Hamilton die Gelegenheit, sein im Duell gegen Rosberg entstandenes Bad-Boy-Image loszuwerden.

Highlight war das Manöver in Ungarn kurz vor der Zielflagge, als er seinem Teamkollegen Valtteri Bottas vorbeiließ. Davor hatte dieser dem Briten auf Befehl der Box den Vortritt gelassen, damit auch er eine Chance hat, sein Glück im Kampf gegen die Ferrari zu suchen. Dass Hamilton bei seinem Manöver riskierte, auch von Max Verstappen überholt zu werden, war dem Mercedes-Aufsichtsratvorsitzenden Niki Lauda zu viel der Fairness. "Das Punkte herschenken muss aufhören, denn jeder Zähler kann am Ende entscheiden", schimpfte der Österreicher, der selbst 1984 nur mit einem halben Punkt Vorsprung gegen Prost Weltmeister wurde.

Edler Ritter oder Straßenköter?

"Das war eine Entscheidung des Herzens", meinte Hamilton. "Und ich stehe zu meinem Wort. Außerdem will ich die WM auf die richtige Art und Weise gewinnen." Hamilton, der edle Rennfahrer, der sich nicht im Graubereich zwischen fair und unfair bewegt? Ein in den vergangenen Jahren noch schwer vorstellbares Bild, als der "Straßenköter", wie ihn Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger einmal nannte, im Duell mit Rosberg gerne austeilte. Und auf seine Wurzeln in der rauen Vorstadt hinwies.

"Ich weiß, was Härte bedeutet - auf der Strecke und im Leben", stellte Hamilton gegenüber der 'Welt' klar. "Wissen Sie eigentlich, wie hart ich und meine Familie kämpfen mussten, um da hinzukommen, wo wir jetzt sind? Ich komme aus dem Nirgendwo. Auf diesem Weg gab es eine Menge Probleme und Schwierigkeiten."

Für Nettigkeiten sei da kein Platz gewesen: "Glauben Sie doch nicht, dass ich auch nur ein einziges Rennen mit der Vorstellung gehe, ich sei ein lieber, netter Junge. Muhammad Ali war nie so. Tiger Woods nicht. Schumacher oder Senna oder Lauda auch nicht. Alle großen Sportler, die ich bewundere, haben sich genommen, was sie wollten. So musst du sein. Aber du musst es mit Stil und Anstand machen."

Nach der Sommerpause kam die Wende

Lewis Hamilton

Stabilität pur: Im Gegensatz zum Silberpfeil war auf Hamilton 2017 immer Verlass

Genau das hat er tatsächlich in der zweiten Saisonhälfte getan - mit Ansage: Die Siegesserie, die er vor dem Spa-Wochenende ankündigte, setzt er in die Tat um und triumphierte hintereinander in Belgien, in der Ferrari-Heimat Italien, wo er ausgerechnet die WM-Führung erstmals in dieser Saison an sich riss, und in Singapur. Und auch der zweite Platz in Malaysia hinter Verstappen war in Anbetracht der Mercedes-Probleme wie ein Sieg.

Ein Stallcrash (Singapur) sowie Defekte in Qualifying (Sepang) und Rennen (Suzuka) bei Vettel zeigten, dass der Druck an Ferrari nicht spurlos vorüberging und sorgten schließlich dafür, dass das Pech des Widersachers Hamilton in die Hände spielte. Eine ungewohnte Situation für den Mercedes-Star, denn dem wurde in jungen Jahren nicht viel geschenkt.

Schwierige Kindheit zwischen Drill und Hänseleien

Als Kind war der Brite, der nach Leichtathletikikone Carl Lewis benannt wurde, ein Außenseiter, er wurde von seinen Schulkameraden gehänselt und schikaniert. Sein Vater scheute währenddessen keine Mühen, um aus seinem Sohn einen Modellathleten zu formen: Er übte drei Jobs gleichzeitig aus, um die Rennkarriere zu finanzieren, und drillte den kleinen Lewis. Anerkennung verdiente sich der kleine Junge nur mit seinen Erfolgen auf der Rennstrecke.

"Ich ging an den Wochenenden nicht mit Freuden aus, sondern fuhr Kart - jedes Wochenende", beschreibt Hamilton, der heute immer wieder mit seinen privaten Eskapaden und seinem ausschweifenden Lebensstil in die Schlagzeilen gerät, seine Jugend. "Ich konnte nicht die Dinge mit meinen Freunden machen, die ich gerne gemacht hätte. Ich verlor einen großen Teil meiner Kindheit. Soziale Kontakte konnte ich nur schwer aufbauen. Ich blühte erst viel später auf, ich machte ja keine normalen Dinge."

Wunderkind Hamilton im McLaren-"Gefängnis"

Lange musste Hamilton zusehen, wie er in eine Form gepresst wurde, musste einer enormen Erwartungshaltung gerecht werden. Da ist es eine Ironie der Geschichte, dass er als Zehnjähriger mit Ron Dennis ausgerechnet auf den restriktivsten Formel-1-Teamchef aller Zeiten traf und von diesem als dessen Ziehsohn aufgebaut wurde.

Lewis Hamilton

Idealer Schwiegersohn: Dennis verpasste Hamilton ein Image, unter dem der Brite litt

Der Control-Freak ist bekannt dafür, seinen Piloten beim Dienstantritt eine Kurzhaarfrisur zu verpassen, eine eigene Website zu verweigern und sogar beim Helmdesign einzugreifen, wenn ihm dieses als zu ausgefallen erscheint. "Soll ich mir auch noch McLaren-graue Augen zulegen?", hatte der Österreicher Alex Wurz Dennis einst sarkastisch Konter gegeben.

Doch genau jene Kontrolle, die Dennis gerne über seine Piloten hat, drohte der damalige McLaren-Boss bereits im Debütjahr zu verlieren, als es zwischen Nummer-1-Pilot Fernando Alonso und Rookie Hamilton zum offenen Krieg kam. Zu stark waren die Leistungen des Shooting-Stars, um ihm den Nummer-2-Status zu verpassen. Der Stallkrieg endete im Fiasko für McLaren, Alonso verließ verbittert das Team und Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen staubte den Titel ab. Im Jahr darauf beglich Hamilton die offene Rechnung und wurde Weltmeister.

Die Befreiung: Mehr Autonomie als Schumacher-Nachfolger

Im Laufe der Jahre taten sich Risse in der Beziehung zwischen Dennis und Hamilton auf, dessen Freiheitsdrang immer größer wurde. Die Abnabelung vom Vater, der lange als Manager fungierte, und vom Teamchef war unerlässlich. Doch sie kosteten Hamilton, der schon bei geringen Widerständen in eine Negativspirale rutschte und mit seinem fragilen Nervenkostüm auffiel, viel Kraft.

Lewis Hamilton

Ungewöhnlicher Anblick für Formel-1-Piloten: Hamiltons Tattoos und Goldketten

2013 wechselte er zu Mercedes, wo man ihm von Anfang an mehr Freiheiten zubilligte. Niemand sagt ihm heute mehr, wie er sich zu kleiden habe, seitdem wird seine Tattoosammlung immer größer und Goldketten hängen um seinen Hals. "Das ist Teil des Erwachsenwerdens und der letzte Schritt in die Unabhängkeit", meinte er als 27-Jähriger nach der Vertragsunterschrift.

Eine Freiheit, die Hamilton genießt und voll auskostet. "Mein erstes Tattoo zu bekommen war ein unglaubliches Gefühl", erinnert er sich. "Heute kann ich sein, wie ich möchte. Das wurde am Anfang nicht akzeptiert, aber jetzt kann ich sagen: Ihr habt keine andere Wahl! Ich fühle mich jetzt in meiner Haut wohl."

Erfolge rechtfertigen Eskapaden

Immer wieder kommt sie aber dann doch wieder durch, die Kritik der Öffentlichkeit, er würde sich im Vergleich zu seinen Kollegen zu sehr auf Nebenschauplätzen ablenken, habe stets zu viele Supermodels um ihn herum und wäre nicht professionell genug. "Als Fahrer ist er vom Kopf her 40 oder 50, bei anderen Sachen eher 15", stichelte zum Beispiel die britische Rennlegende Stirling Moss.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist aber davon überzeugt, dass man dem Briten die lange Leine geben muss. "Lewis weiss genau, welches Umfeld er braucht", sagt der Österreicher. "Solange das Gezeigte stimmt, muss man ihn leben lassen."

Und wenn er den Mercedes-Stern wieder einmal mit einer nicht seltenen Glanzleistung erstrahlen lässt, dann wird es in Kritikerkreisen rasch wieder ruhig um Hamilton, der oft mit 14 Koffern zu Rennen reist und stets einen eigenen Stylisten mit dabei hat. Denn die Karriere als Formel-1-Fahrer hat ein Ablaufdatum, also bastelt er längst an seinem Image als Superstar.

Der perfekte Botschafter für Liberty Media

"Jeder, der die Beatles oder Michael Jackson oder Ali erlebt hat, träumt davon, so erfolgreich wie sie zu sein", gibt er zu, dass ihn der Ruhm magisch anzieht. Und sieht in seinem Rockstar-Image keinen Widerspruch zum Erfolg: "Man ist auch eine Art Rockstar, wenn man der Beste ist in dem, was man tut."
"Lewis hat einen Stil, der die Leute anzieht, er kann ganz alleine einen Raum füllen."Chase Carey
Einem kann das nur recht sein: dem neuen Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey. Denn für den US-Konzern Liberty Media, der den Grand-Prix-Sport übernommen hat, ist der das Scheinwerferlicht liebende Showman mit fast fünf Millionen Followern auf Twitter eine absolute Wohltat."Die Ingenieure haben die Formel 1 unter Kontrolle", lautet die Bestandsaufnahme Careys in seinem ersten Jahr an der Spitze des Sports. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Fahrer wieder im Vordergrund stehen. Lewis hat einen Stil, der die Leute anzieht, er kann ganz alleine einen Raum füllen. Wir wollen, dass sie alle solche Stars sind." Der US-Amerikaner darf sich bereits die Hände reiben: Denn wenn Hamilton und Vettel, die als Typen unterschiedlicher nicht sein könnten, 2018 darüber streiten, wer als erster fünf WM-Titel auf dem Konto hat, könnte der Zweikampf noch erbitterter werden - und die Einschaltquoten nach oben schnellen...

Link zum Newseintrag
Zuletzt geändert von Redaktion am 29.10.2017, 21:50, insgesamt 7-mal geändert.
Grund: EXT TRIGGER

Plauze
Rennsportlegende
Rennsportlegende
Beiträge: 11290
Registriert: 15.06.2011, 03:02

Re: Weltmeister Lewis Hamilton: Die Diva war 2017 der Silberpfeil

Beitragvon Plauze » 30.10.2017, 11:47

Herzlichen Glückwunsch an Lewis Hamilton, der in diesem Jahr insgesamt betrachtet eindeutig der stärkste Fahrer der Spitzenteams gewesen ist und den Titel redlich verdient hat, weil er ihn annähernd fehlerlos, blitzsauber, mit fairen Mitteln und der richtigen Portion Glück eingefahren hat.
Zurecht ist er nun ein viermaliger Weltmeister, auf einer Stufe mit Alain Prost, aber eben auch auf einer Stufe mit seinem diesjährigen Rivalen Vettel, der ganz objektiv betrachtet zu viele Fehler und Unbeherrschtheiten in seiner 2017er Saison hatte, um mit Recht "zwei Titel besser" sein zu können.

Ganz sicher ist, dass Hamiltons Strahlkraft und seine Persönlichkeit der Formel 1 insgesamt gut tut. Wie auch immer man selbst zu ihm stehen mag und wie immer man seine Art und sein Image empfinden mag. Ein Weltmeister, der sich nicht vom Milliardenbusiness Formel 1 formen lässt, sondern sein Ding macht und dabei trotzdem regelmäßig Topleistungen bringt, auf seine Fans zugeht, kämpferisch ist und gleichzeitig sportliche Fairness an den Tag legt, ist nicht das Schlechteste, was dem Sport passieren kann.

Ein guter Teil dieser Ausstrahlung, mit der Hamilton in diesem Jahr auf und neben der Strecke punkten konnte, ist sicherlich auch der wesentlich entspannteren Atmosphäre im Team zu verdanken. Ehre wem Ehre gebührt, aber jeder wird zugeben müssen, dass Hamilton weit weniger konziliant, sportlich fair und entspannt auftreten würde, wenn Sebastian Vettel ihm die Krone des besten Fahrers im eigenen Team streitig machen würde, wie es in den Jahren zuvor Rosberg getan hat.
Das Image, aber auch die mentale Stärke von Hamilton ist davon abhängig, in welchem Umfang das eigene Team sich um ihn herum gruppiert und ihm Harmonie und volle Rückendeckung zusichert. Wäre Bottas wider Erwarten mindestens so stark aufgetreten wie Rosberg, hätten wir einen weit weniger in sich ruhenden und demzufolge auch weniger "sympathisch" auftretenden Hamilton erlebt (das soll keine Kritik sein, sondern ist eine völlig normale Feststellung, die man meiner Meinung nach nicht unerwähnt lassen sollte; wir wissen schließlich alle noch, wie es in den letzten Jahren war).

Davon einmal abgesehen kann man, finde ich, nicht sagen, dass der Mercedes 2017 eine Diva war. Es ist eben einfach so, dass andere Teams, vor allem Ferrari, Red Bull zumindest streckenweise, zu den Silberpfeilen aufgeschlossen haben. Dadurch werden etwaige Schwächen, die auch der Mercedes immer noch hat (und immer schon hatte, ich erinnere an Malaysia 2015!), stärker offenbar und fallen ins Gewicht; sie gaben mitunter den Ausschlag über Sieg oder Niederlage.
Es brauchte, wie man am WM-Stand ablesen kann, einen Spitzenfahrer wie Hamilton, um den Mercedes trotzdem zum Titel zu fahren. Aber noch einmal: Eine Diva war der Mercedes nicht. Gerade über ein Auto, mit dem Hamilton in diesem Jahr keinen einzigen technischen Defekt zu verzeichnen hatte, kann man eine solche Aussage einfach nicht gelten lassen. Nach einem solchen Auto lecken sich schließlich 80% des Fahrerfeldes die Finger. Ob sie es Hamilton gleichtun damit Weltmeister werden können, steht auf einem anderen Blatt - Fakt ist aber, dass auch die Mannschaft aus Brackley wieder alles dafür getan hat, beide Titel zu gewinnen, mit ebenso großem Recht ihren Anteil am Erfolg beanspruchen kann wie ihr Nr.-1-Fahrer und verdient Konstrukteurs-Weltmeister ist. Und letztendlich ist es ja auch eine Leistung, einen großen Fahrer wie Hamilton Jahr für Jahr bei der Stange zu halten und ihm Top-Material zu liefern, damit dieser es dann in Erfolge ummünzen kann.

Gratulation also bei allem verdienten Lob für Hamilton auch an Mercedes.
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

Benutzeravatar
Spa43/44
Streckenposten
Beiträge: 190
Registriert: 04.12.2016, 22:57
Lieblingsfahrer: HAM ALO

Re: Weltmeister Lewis Hamilton: Die Diva war 2017 der Silberpfeil

Beitragvon Spa43/44 » 30.10.2017, 12:21

Plauze hat geschrieben:Herzlichen Glückwunsch an Lewis Hamilton, der in diesem Jahr insgesamt betrachtet eindeutig der stärkste Fahrer der Spitzenteams gewesen ist und den Titel redlich verdient hat, weil er ihn annähernd fehlerlos, blitzsauber, mit fairen Mitteln und der richtigen Portion Glück eingefahren hat.
Zurecht ist er nun ein viermaliger Weltmeister, auf einer Stufe mit Alain Prost, aber eben auch auf einer Stufe mit seinem diesjährigen Rivalen Vettel, der ganz objektiv betrachtet zu viele Fehler und Unbeherrschtheiten in seiner 2017er Saison hatte, um mit Recht "zwei Titel besser" sein zu können.

Ganz sicher ist, dass Hamiltons Strahlkraft und seine Persönlichkeit der Formel 1 insgesamt gut tut. Wie auch immer man selbst zu ihm stehen mag und wie immer man seine Art und sein Image empfinden mag. Ein Weltmeister, der sich nicht vom Milliardenbusiness Formel 1 formen lässt, sondern sein Ding macht und dabei trotzdem regelmäßig Topleistungen bringt, auf seine Fans zugeht, kämpferisch ist und gleichzeitig sportliche Fairness an den Tag legt, ist nicht das Schlechteste, was dem Sport passieren kann.

Ein guter Teil dieser Ausstrahlung, mit der Hamilton in diesem Jahr auf und neben der Strecke punkten konnte, ist sicherlich auch der wesentlich entspannteren Atmosphäre im Team zu verdanken. Ehre wem Ehre gebührt, aber jeder wird zugeben müssen, dass Hamilton weit weniger konziliant, sportlich fair und entspannt auftreten würde, wenn Sebastian Vettel ihm die Krone des besten Fahrers im eigenen Team streitig machen würde, wie es in den Jahren zuvor Rosberg getan hat.
Das Image, aber auch die mentale Stärke von Hamilton ist davon abhängig, in welchem Umfang das eigene Team sich um ihn herum gruppiert und ihm Harmonie und volle Rückendeckung zusichert. Wäre Bottas wider Erwarten mindestens so stark aufgetreten wie Rosberg, hätten wir einen weit weniger in sich ruhenden und demzufolge auch weniger "sympathisch" auftretenden Hamilton erlebt (das soll keine Kritik sein, sondern ist eine völlig normale Feststellung, die man meiner Meinung nach nicht unerwähnt lassen sollte; wir wissen schließlich alle noch, wie es in den letzten Jahren war).

Davon einmal abgesehen kann man, finde ich, nicht sagen, dass der Mercedes 2017 eine Diva war. Es ist eben einfach so, dass andere Teams, vor allem Ferrari, Red Bull zumindest streckenweise, zu den Silberpfeilen aufgeschlossen haben. Dadurch werden etwaige Schwächen, die auch der Mercedes immer noch hat (und immer schon hatte, ich erinnere an Malaysia 2015!), stärker offenbar und fallen ins Gewicht; sie gaben mitunter den Ausschlag über Sieg oder Niederlage.
Es brauchte, wie man am WM-Stand ablesen kann, einen Spitzenfahrer wie Hamilton, um den Mercedes trotzdem zum Titel zu fahren. Aber noch einmal: Eine Diva war der Mercedes nicht. Gerade über ein Auto, mit dem Hamilton in diesem Jahr keinen einzigen technischen Defekt zu verzeichnen hatte, kann man eine solche Aussage einfach nicht gelten lassen. Nach einem solchen Auto lecken sich schließlich 80% des Fahrerfeldes die Finger. Ob sie es Hamilton gleichtun damit Weltmeister werden können, steht auf einem anderen Blatt - Fakt ist aber, dass auch die Mannschaft aus Brackley wieder alles dafür getan hat, beide Titel zu gewinnen, mit ebenso großem Recht ihren Anteil am Erfolg beanspruchen kann wie ihr Nr.-1-Fahrer und verdient Konstrukteurs-Weltmeister ist. Und letztendlich ist es ja auch eine Leistung, einen großen Fahrer wie Hamilton Jahr für Jahr bei der Stange zu halten und ihm Top-Material zu liefern, damit dieser es dann in Erfolge ummünzen kann.

Gratulation also bei allem verdienten Lob für Hamilton auch an Mercedes.


Hätte ich nicht besser sagen können :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:


Zurück zu „Porträts-Kommentare“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste