Trainingslager für Youngster: Fehlt Minardi in der Formel 1?

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Trainingslager für Youngster: Fehlt Minardi in der Formel 1?

Beitragvon Redaktion » 11.08.2017, 18:33

Haas-Teamchef Günther Steiner über die Schwierigkeiten für den Formel-1-Nachwuchs: Nach Minardi-Aus fehlt das etablierte "Trainingslager für Talente"
Charles Leclerc

Charles Leclerc durfte in Ungarn im aktuellen Ferrari Testfahrten unternehmen

Obwohl bei den aktuellen Formel-1-Topteams die vermutlich besten Fahrer unter Vertrag stehen, sorgen Mercedes, Ferrari und Red Bull mit ihren jeweiligen Nachwuchsprogrammen dafür, dass die potenziellen Superstars der Zukunft schon bald eine Option sein könnten. Allerdings haben nicht alle Youngster so viel Glück wie die Mercedes-Zöglinge Esteban Ocon (Force India) und Pascal Wehrlein (Sauber) sowie die Red-Bull-Kaderpiloten Daniil Kwjat und Carlos Sainz (beide Toro Rosso), die bei kleineren Teams wichtige Erfahrung sammeln dürfen.

Derzeit schauen die stärksten Nachwuchsfahrer aus dem Ferrari-Lager oftmals in die Röhre. Antonio Giovinazzi darf nach seinen Einsätzen als Wehrlein-Ersatzmann bei Sauber nur noch an Freitagen bei Haas fahren, Formel-2-Leader Charles Leclerc hat ebenso wenig Aussichten auf Renneinsätze. Kurzum: Die potenziellen Ferrari-Stars der Zukunft haben keine Chance, die Formel 1 zu erfahren und zu erlernen. Das, was frühere Teams wie Minardi, Manor oder (zum Teil) HRT als Spielwiese bieten konnten, ist verschwunden.

"Leclerc und Giovinazzi sind beides richtig gute Jungs mit sehr gutem Potenzial", stellt Haas-Teamchef dem Ferrari-Nachwuchs ein gutes Zeugnis aus. "Aber sie an einen Rennsitz in der Formel 1 heranzuführen, ist enorm schwierig. In diesem Punkt hat die Szene ein Problem", so der Südtiroler, der engste Beziehungen zu Ferrari unterhält. "Sie müssen einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Mehr können sie nicht tun. Heutzutage ist es kaum mehr möglich, einen Platz einfach so zu kaufen."

Teams wie Minardi fehlen: Keine Spielwiese für Youngster

"Das war früher anders, als zum Beispiel noch Minardi dabei war", schildert der Italiener. Erst vor wenigen Tagen hatte Ex-Teambesitzer Giancarlo Minardi beklagt, dass es selbst den höchst talentierten Ferrari-Nachwuchspiloten nicht möglich sei, in der Formel 1 notwendige Erfahrungen im Schatten der Topteams zu sammeln. "Ferrari scheint in Bezug auf seine Kunden keine Entscheidungsgewalt zu haben", merkte der ehemalige Teamchef an. Die Youngster können nicht einfach bei Sauber oder Haas platziert werden."Bei Minardi war man vielleicht nicht immer glücklich, dass man ganz hinten fuhr, aber man hat sich damit abgefunden und daraus ein Geschäftsmodell gemacht", erklärt Steiner. "Die Entwicklung von Fahrern war deren Business." Das ehemalige Team Minardi ermöglichte beispielsweise späteren Topstars wie Fernando Alonso oder Mark Webber die ersten Renneinsätze in der Königsklasse. In den meist viel zu langsamen Autos aus Faenza konnten die Youngster ohne großen Druck Erfahrungen sammeln.

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"Das war auch zum Beispiel mit Ricciardo bei HRT so. Es war völlig klar, dass er dort nichts reißen kann, aber es hat ihm unglaubliche wichtige Erfahrungen gebracht. So etwas gibt es heutzutage nicht mehr", so der Haas-Teamchef. "Vielleicht ist es auf der einen Seite schlecht, wenn solch langsamen Teams mitfahren. Auf der anderen Seite ist es aber auch gut, solche Teams zu haben. Der Schritt von der Formel 2 in die Formel 1 ist sehr groß. Da braucht es Möglichkeiten zum Lernen.""Wenn man irgendwann Charles Leclerc oder Antonio Giovinazzi direkt in ein Ferrari-Cockpit steckt, dann ist das Risiko viel zu hoch. Das kann gut gehen, aber viel wahrscheinlicher ist es, dass es schief geht, weil die Erwartungen einfach viel zu hoch sind", meint Steiner. "Dann passieren Fehler. Die passieren immer in diesem komplexen Sport, das ist bei jungen Leuten ganz normal. Mit 20 kann man sich keine Erfahrungen irgendwo kaufen. Man braucht die Zeit und Möglichkeiten, diese zu sammeln und aufzubauen."

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Re: Trainingslager für Youngster: Fehlt Minardi in der Formel 1?

Beitragvon wernervoncroy » 12.08.2017, 09:46

Ein Sebastian Vettel hat bei Torro Rosso lernen dürfen, ein Schummi bei Benetton usw. Ja diese "kleine" Teams fehlen der Formel 1. Leider ist es heute bei dem ganzen technischen Aufwand nicht mehr Möglich einfach ein Team zu gründen und auch mal im Mittelfeld vor zu fahren. Geld regiert die F1 Welt. Siehe Haas die bei Null angefangen haben, alles was sie konnten zugekauft haben und trotzdem erst langsam in der F1 ankommen und Fuss fassen. Oder eben Sauber, die mit HH Frentzen ein gutes Team hatten und sogar den dritten Konstrukteursplatz erreichen konnten. Die haben doch nicht verlernt Formel1 Autos zu bauen, allerdings fehlt das Geld.
Da würde ich ansetzen. Budegtobergrenze funktioniert nicht. Werkteams wie Mercedes, Ferrari oder Renault, lagern dann einfach aus. Wenn ich höre dass mercedes 20 000 Turbinenvarianten für den Turbolader ausprobiert hat....20 000!!!!! ist das der absolute Supergau. Erstmal muss jemand auf die Idee kommen, dann muss das alles auch gebaut werden und auch getestet und verglichen werden.
Welches Team ohne Werksunterstützung kann dan so was. die können keine 200 Turbinenvarianten für Turbos testen.
Warum hat Honda so ein riesen defizit? Motorenbau hat dieser Hersteller sicher nicht verlernt.
Die Komplexität macht die Formel1 heute so schwierig. Man müsste wieder mehr zur Einfachheit zurück. Da spielen aber Teams wie zum Beispiel Mercedes eben nicht mehr mit, denn diese Hersteller wollen diese technische Spielwiese haben.

Ich mag Force India als Team, diese versuchen mit kleinen Mitteln das Maximum heraus zu holen und siehe da, es funktioniert. Da müssten Mittelfeldteams hin. Guter Motor, gutes Chassis, gute junge Fahrer und ausreichend Geld für den Betrieb.

Mir gefällt das was FI macht sehr.

Alles in allem sollte die Formel 1 trotzdem die Königsklasse des Motorsports sein. wegen mir soll es ruhig eine Formel E geben. Ich habe mir ein paar Rennen angeschaut, ja schön, aber halt nicht F1. Ebenso DTM. wobei ich bei der DTM die Mehrfachrennen an einem Wochenende mag.

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Re: Trainingslager für Youngster: Fehlt Minardi in der Formel 1?

Beitragvon Simtek » 12.08.2017, 10:44

Ja, der Formel 1 fehlen Teams wie Minardi, Tyrrell, Jordan oder Lotus. Dies waren noch echte Talentschmieden. Es gibt zwar immer noch Williams, Sauber oder Force India nur gerade die letztgenannten sind eine echte Bereicherung für die Formel 1. Gerade darum fehlen sie. Was passiert, wenn sich plötzlich ein grosser Hersteller aus einer Serie zurückzieht erleben wir gerade in der DTM.
Viel Glück in Deinen wichtigsten Rennen, Michael.

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Re: Trainingslager für Youngster: Fehlt Minardi in der Formel 1?

Beitragvon schumi791 » 12.08.2017, 13:26

Diese Problematik würde sich einfach lösen lassen, wenn potenzielle Neueinsteiger unterstützt würden. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir Teams wie HRT, Caterham (damals Lotus) und Manor (damals Marussia) immer noch im Feld haben könnten, wenn die Konditionen mit denen die Teams 2010 in die Formel 1 gelockt wurden auch eingehalten worden wären. Dem war aber bekannterweise nicht so. Ein gewisser Herr Ecclestone war damals ja der Ansicht auf kleine Teams verzichten zu können und ließ diese dann auch einfach fallen.

Jetzt haben wir Herstellerteams welche die Richtung vorgeben, während Teams wie Williams und Mclaren, welche durch Ihre weitreichende Historie eine entsprechende Fankultur über die Jahrzehnte aufbauen konnten, nur sehr schwer oder gar nie wieder den alten Glanz erreichen können, welchen sie damals hatten.

Jedoch gilt es auch zu beachten, dass mehr potenzielle Nachwuchsfahrer auf dem Markt sind als noch zu Minardizeiten. Neben den talentierten Piloten Alonso und Webber beschäftigte Minardi auch immer einen Piloten welcher eine entsprechende Mitgift brachte. Fahrer wie Marques oder Yoong waren schließlich nicht wegen ihres Talents bei Minardi unter Vertrag. Einen umfangreichen Nachwuchskader über den Mercedes, Ferrari und speziell Red Bull verfügen gab es damals nicht. Das befand sich ja alles noch in den Kinderschuhen. Der erste von Red Bull unterstützte Pilot war Enrique Bernoldi, welchen Sauber aber nicht verpflichten wollte und lieber Räikkönen ins Cockpit setzte. Eine ziemlich brisante Entscheidung wenn man mal bedenkt, dass zu der Zeit Red Bull ein zahlungskräftiger Sponsor für Sauber gewesen ist. Bernoldi kam schließlich bei Arrows unter, verschwand aber nach zwei Saisons von der Bildfläche.

Das Mercedes-Juniorteam, welches aus Michael Schumacher, Heinz Harald Frentzen und Karl Wendlinger bestand, war damals ein absolutes Unikum.

Die Red Bull Nachwuchsfahrer, welche im Laufer der Zeit in der Formel 1 Fuß fassten sind durchaus einen Blick wert.
Von 2001 bis 2004 sind es Klien und Bernoldi, wobei Letzterer aussortiert wurde. Von 2005-2007 sind es dann Klien, Liuzzi, Doornbos, Speed und Vettel. Klien, Doornbos und Speed wurden aussortiert, Liuzzi ebenfalls, wobei dieser seine Karriere noch weiter fortsetzen konnte. Lediglich Vettel sollte sich etablieren. Von da an startete das Nachwuchsprogram richtig durch und wurde immer weiter ausgebaut. Ein Pierre Gasly muss auch auf seine Chance hoffen.

Es drängen also deutlich mehr Talente in die Formel 1 als noch vor 15 Jahren. Bei einem Talentpool dieser Größe hätten auch Anfang der 2000er nicht alle ein Cockpit gefunden.
Michael Schumacher will always be the greatest!
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Re: Trainingslager für Youngster: Fehlt Minardi in der Formel 1?

Beitragvon Simtek » 12.08.2017, 17:51

schumi791 hat geschrieben:Jedoch gilt es auch zu beachten, dass mehr potenzielle Nachwuchsfahrer auf dem Markt sind als noch zu Minardizeiten. Neben den talentierten Piloten Alonso und Webber beschäftigte Minardi auch immer einen Piloten welcher eine entsprechende Mitgift brachte. Fahrer wie Marques oder Yoong waren schließlich nicht wegen ihres Talents bei Minardi unter Vertrag.


Nun, ohne diese Paydriver hätten Teams wie Minardi aber auch damals nicht die F1 finanzieren können. Damit haben wir genau das Problem: "Die Formel 1 ist für Privatteams zu teuer!"
Viel Glück in Deinen wichtigsten Rennen, Michael.

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Re: Trainingslager für Youngster: Fehlt Minardi in der Formel 1?

Beitragvon daSilvaRC » 12.08.2017, 21:06

Simtek hat geschrieben:
schumi791 hat geschrieben:Jedoch gilt es auch zu beachten, dass mehr potenzielle Nachwuchsfahrer auf dem Markt sind als noch zu Minardizeiten. Neben den talentierten Piloten Alonso und Webber beschäftigte Minardi auch immer einen Piloten welcher eine entsprechende Mitgift brachte. Fahrer wie Marques oder Yoong waren schließlich nicht wegen ihres Talents bei Minardi unter Vertrag.


Nun, ohne diese Paydriver hätten Teams wie Minardi aber auch damals nicht die F1 finanzieren können. Damit haben wir genau das Problem: "Die Formel 1 ist für Privatteams zu teuer!"



und das wurde schon vor 20Jahren gesagt...


Ferrari, McLaren, Mercedes, Honda, evt Renault, für diese Teams wäre es ein leichtes ein Juniorteam ala RedBull ins Leben zu rufen.
Das grösste Problem der F1 ist, das sie es versuchen den Fans recht zu machen.
Der Fan weiss aber nicht was er will.

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Re: Trainingslager für Youngster: Fehlt Minardi in der Formel 1?

Beitragvon schumi791 » 13.08.2017, 02:18

Simtek hat geschrieben:Nun, ohne diese Paydriver hätten Teams wie Minardi aber auch damals nicht die F1 finanzieren können. Damit haben wir genau das Problem: "Die Formel 1 ist für Privatteams zu teuer!"

Aber genau das ist doch der Punkt! Dieses Problem besteht doch schon seit den 90zigern. Ein Fisichella musste 96 auch sein Cockpit ab Saisonmitte für einen Lavaggi räumen, weil jener die entsprechende Mitgift mitbrachte, obwohl Fisichella der deutlich talentiertere Pilot gewesen ist.

So betrachtet ist die Situation heute doch auch nicht anders als noch vor 20 Jahren, nur die Namen der Teams ändern sich. Waren 2001 noch Arrows, Prost und Minardi von Paydrivern abhängig, sind es nun Sauber und Williams die auf jene zurückgreifen müssen. Die sogenannten Talentschmieden, wie sie heute bezeichnet werden, haben dies ja auch nur wegen der damit verbundenen finanziellen Unterstützung gemacht. Weber und Mercedes mussten schließlich auch Geld vorstrecken, damit Schumacher 91 in Spa sein Debüt geben konnte. Bei Alonso war es 2001 mit Minardi auch nicht anders. Das Einzige, was sich geändert hat ist die Höhe er Geldsumme und damit die Dimension in der solche Geschäfte heutzutage abgewickelt werden. Das Prinzip selbst jedoch, ist nachwievor das Gleiche.
Michael Schumacher will always be the greatest!
http://www.youtube.com/watch?v=Ka5FCLy14Uw
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