"Echt stark": Gerhard Berger lobt Test von Neffe Lucas Auer

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"Echt stark": Gerhard Berger lobt Test von Neffe Lucas Auer

Beitragvon Redaktion » 04.08.2017, 09:03

Ex-Pilot Gerhard Berger findet, dass sich sein Neffe Lucas Auer bei den Testfahrten für Force India gut geschlagen habe - Zeiten legt niemand auf die Goldwaage
Lucas Auer

Lucas Auer hat sich bei seinem ersten Formel-1-Test gut behauptet

Der Österreicher Lucas Auer durfte in dieser Woche zum ersten Mal einen Formel-1-Boliden testen und am Dienstag und Mittwoch auf dem Hungaroring jeweils für Force India aktiv sein. Der DTM-Pilot belegte am ersten Tag noch Rang neun (1:20.563 Minuten), konnte sich dann am Mittwoch auf Rang sieben (1:19.242) steigern und hat seine Sache laut Onkel Gerhard Berger ordentlich gemacht.

"Der Test war sehr okay. Ich glaube, Lucas konnte zeigen, was er kann", wird der 210-fache Grand-Prix-Teilnehmer von 'laola1.at' zitiert. "Dafür, dass er zum ersten Mal unterwegs gewesen ist, war das echt stark. Er hat sich ausgezeichnet vorbereitet und dann keinen Fehler gemacht. Das ist bei einem Rookie nicht selbstverständlich. Aber da ist noch einiges an Potenzial drinnen", urteilt Berger weiter.

Für Auer ging damit ein kleiner Traum in Erfüllung. Der Tiroler arbeitete sich bis in die Formel-3-Europameisterschaft hoch, bevor er 2015 auf die DTM umschwenkte. Jetzt ist Auer wieder zurück in einem Formelboliden gewesen und konnte zeigen, dass er nichts verlernt hat. Wie gut sich Auer bei den Testfahrten in Budapest wirklich geschlagen hat, wissen nur die Ingenieure von Force India, die das Programm des Teams kennen und das Feedback des Österreichers einschätzen können.

Rundenzeitenvergleiche verbieten sich aber eigentlich. So war zum Beispiel McLaren-Rookie Lando Norris am Mittwoch fast zwei Sekunden schneller als Auer, doch erstens geht der McLaren in Ungarn ohnehin besser, wie sich am vergangenen Wochenende gezeigt hat, zweitens hatte Norris den kompletten Mittwoch genutzt, während Auer das Auto am Mittag an Nikita Masepin weiterreichen musste, und drittens kennt niemand die Programme.

"McLaren etwa hat den Lando Norris sicher die ganze Zeit mit leeren Tanks und auf Rundenzeiten raus geschickt", ist sich Berger sicher. "Da ergeben sich große Unterschiede." Außerdem sei Auer auf Nummer sicher gegangen, wie er selbst betont: "Ich weiß aus der DTM, dass das letzte, was du bei einem Test brauchst, ein Defekt ist. Deshalb habe ich speziell in den Kurven vier und elf wegen der Kerbs noch etwas Luft gelassen", sagt Auer gegenüber 'APA'.

Er wusste, dass die Informationen für das Team wichtiger sind als die schnellsten Runden zu haben. "Das ist eben so", zuckt er mit den Schultern und ist sich sicher, dass es bei einem dritten Testtag noch schneller gegangen wäre. Denn war am Dienstag noch alles neu, wie er sagt, fühlte sich der Speed am Mittwoch schon fast normal an.

Ob er in Zukunft noch einmal eine Chance bekommen wird, ist offen. Daran denken möchte Auer nicht, weil er sich auf seinen aktuellen Job in der DTM konzentrieren möchte. Er weiß: "Wenn ich meinen jetzigen Job ordentlich mache, gehen Türen auf und ich bekomme auch meine Möglichkeiten. Wenn du zu viel an die Zukunft denkst und in der Gegenwart schlecht performst, gehen Türen zu."


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Re: "Echt stark": Gerhard Berger lobt Test von Neffe Lucas Auer

Beitragvon racingfan8 » 04.08.2017, 14:53

Einen echten Eindruck konnte er nicht machen. Insgesamt eine sehr solide Leistung - mehr nicht. Er scheint viel Talent zu haben, gepaart mit der falschen Einstellung. Er scheint nach den Aussagen von Berger ein Draufgänger zu sein - ein Fahrer der alten Schule. So ein Typus ist aber heute allerdings nicht mehr gefragt, es sei denn, man ist wie Hamilton ein Jahrtausendtalent. Alle anderen Talentierte müssen mittlerweile v.a. eins machen: Büffeln, Büffeln und im Simulator fahren - so wie Verstappen oder Norris ihre "super-duper-mutigen-Ausnahmemanöver" im Simulator vorbereiten und von Youtube-Videos kopieren. Dass das Reifenmanagement und die Boliden selbst mittlerweile maßgeblich schwerer geworden sind, spielt Simulatorfahrer und Analytikern ebenfalls in die Karten - insgesamt wird daher ein komplett anderer Typus von Rennfahrer benötigt als noch vor 10 Jahren. In der aktuellen Generation von Autos ist somit für die reinen Talente wie z.B. Kimi, Magnussen, Massa oder eben auch Auer kein Platz mehr.

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Re: "Echt stark": Gerhard Berger lobt Test von Neffe Lucas Auer

Beitragvon SeppKultura » 04.08.2017, 15:39

racingfan8 hat geschrieben:Einen echten Eindruck konnte er nicht machen. Insgesamt eine sehr solide Leistung - mehr nicht. Er scheint viel Talent zu haben, gepaart mit der falschen Einstellung. Er scheint nach den Aussagen von Berger ein Draufgänger zu sein - ein Fahrer der alten Schule. So ein Typus ist aber heute allerdings nicht mehr gefragt, es sei denn, man ist wie Hamilton ein Jahrtausendtalent. Alle anderen Talentierte müssen mittlerweile v.a. eins machen: Büffeln, Büffeln und im Simulator fahren - so wie Verstappen oder Norris ihre "super-duper-mutigen-Ausnahmemanöver" im Simulator vorbereiten und von Youtube-Videos kopieren. Dass das Reifenmanagement und die Boliden selbst mittlerweile maßgeblich schwerer geworden sind, spielt Simulatorfahrer und Analytikern ebenfalls in die Karten - insgesamt wird daher ein komplett anderer Typus von Rennfahrer benötigt als noch vor 10 Jahren. In der aktuellen Generation von Autos ist somit für die reinen Talente wie z.B. Kimi, Magnussen, Massa oder eben auch Auer kein Platz mehr.


Zitiert aus Auto Revue 08/2017:

"Der manchmal auf den ersten Blick leichtsinnig wirkende Lucas ist oft das Gegenteil der Vorurteile über ihn: ein Mensch, der die Ordnung liebt. Akribisch schreibt er in der Nacht ("ich kann da eh meistens nicht schlafen") oder spätestens am Tag nach dem Rennen seine Reports: "Einen für mich - mit allen Notizen für das nöchste Jahr: Linie, Bremspunkte, Lenkpunkte, Qualifying - was war richtig, was war falsch. Rennen - plus, minus. Wo waren gute Überholpunkte - oder wo waren gute Punkte zum abdecken. Was habe ich falsch gemacht? Heute etwa: Kurve 1 außen ist ein No Go". Dann ein Report für das Team und ein weiterer, der ins Detail geht - etwa über das Setup"

"Im Vorjahr hat Auer alle 24-Stunden-Rennen besucht: Daytona, Nürburgring, Le Mans, Spa. Nicht um zu fahren, sondern nur um zu beobachten: "Das ist wichtig, auch wenn du manchmal a bissl deprimiert in der Gegend rumstehst."

"Im Jänner und Februar war er Kartfahren in Florida. Wochenlang. "Weil Erfahrung das ist, was mir am meisten fehlt." Bis zu sechs Tage pro Woche war er auf Pisten und manchmal tauchten mitten im Nirgendwo Artgenosen auf: WIckens, Massa, Perez. "Und Barrichello." Kurze Pause: "Wir sind uns gleich mal in die Karre gefahren."

"Wird ein F1-Rennen gefahren, legt er sich alles zurecht: "Vor mir der Fernseher, am iPad die Sektorzeiten"

Klingt nach einem extrem professionellen, fokussierten Rennfahrer. Die Aussagen von Gerhard Berger sind ewig alt, seit dem hat sich einiges geändert.

Ich finde diese Entwicklung faszinierend und es zeigt sich vor allem eines: auch Fahrer, die im Nachwuchsbereich nicht die ganz großen Titel geholt haben, können sich zu Siegfahrern entwickeln. Auer hat in jeder Serie seine Siege gefeiert, 2014 hat er nur durch seine ungestüme Fahrweise und Eigenfehler nicht in Macao gewonnen. Das einzige, was ihm bisher gefehlt hat, war die Konstanz. Die hat er jetzt.

Überholmanöver hat er heuer auch schon tolle gezeigt, zuletzt in Moskau ... und der einzige Grund, aus dem er nun schon länger nicht mehr gewonnen hat, ist der Gewichtsnachteil von Mercedes.

Mein Fazit: Auer hat sich seinen Platz in der F1 verdient - und das sage ich nicht nur als Österreicher.

Realistisch betrachtet wird das aber nächstem Jahr eher nichts: die Ferrari-Gerüchte um Perez haben sich erledigt, Renault glaube ich nicht. Ocon wird sicher nicht im Mercedes landen, auch nicht bei Renault. Und dann gibts bei Mercedes ja auch noch Wehrlein und Russell.


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