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27.05.  14:00

 

 16.08.2011 | 15:06 Uhr

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Ickx appelliert: "Denkt an die Fans"

Motorsportlegende Jacky Ickx über den Zuschauerrückgang bei vielen Formel-1-Events: Gute Vorbilder in Goodwood und auf der Nordschleife

Die Zuschauerzahlen bei vielen Formel-1-Rennen sind rückläufig. Das musste man in den vergangenen Jahren nicht nur schmerzhaft bei den deutschen Grands Prix in Hockenheim und am Nürburgring feststellen, sondern fast überall ist dieser Trend erkennbar. Beispiel Ungarn: Im Vergleich zu den Hochzeiten des Rennens in Budapest kamen 2011 nur noch etwa ein Viertel der Zuschauer.

Jacky Ickx macht sich seine Gedanken zu den Zuschauerrückgängen
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"Wer dem Motorsport zu mehr Erfolg verhelfen möchte, der muss die Fans besser behandeln", sagt Rennlegende Jacky Ickx im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Der 66-jährige Belgier beobachtet den Motorsport nach wie vor intensiv. Er bringt immerhin die Erfahrung aus 114 Grands Prix und unter anderem sechs Gesamtsiegen in Le Mans mit.

"Leider werden die Fans viel zu wenig gefragt. Das Thema ist immer, was die Formel 1 machen möchte. Aber keiner hinterfragt mal, was die Kunden überhaupt wollen. Darum schert sich niemand", klagt Ickx. Initiativen wie die aktuellen FOTA-Fanforen seien gut gemeint, trügen aber bislang nicht die kleinsten Früchte.

"Den Fans, die viel Geld für den Besuch von Autorennen ausgeben, gebührt mehr Respekt. Sie müssen mit größerer Menschlichkeit und Nähe aufgenommen werden", sagt der Belgier. "Das beste Beispiel ist Goodwood. Das dortige Festival of Speed ist ein großes Geschäft. Das ist nicht nur die romantische Motorsportader von Lord March - da geht es in erste Linie um Geld."

"Aber all die Besucher, die dorthin gehen, verlassen den Schauplatz mit der Gewissheit, dass sie das bekommen haben, was sie wollten. Außerdem behandelt man die Fans dort respektvoll", meint der 66-Jährige. "Lord March und seine Veranstaltungen in Goodwood sind nicht ohne Grund so erfolgreich. 150.000 Menschen beim Festival und 120.000 beim Revival - das sind Zahlen, die kommen nicht einfach so zustande. Er hat dort mehr Fans vor Ort als die Formel 1 bei den meisten Rennen."

Der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft der Formel 1 und anderer Serien liege in maßvollen Preisen und größerer Offenheit. "Niemand will doch mit seiner Familie zwischen Zäumen eingesperrt und womöglich von Bodyguards mit Hunden bewacht werden. Auch die Preise müssen realistisch sein. Ein Hamburger muss doch nicht zehn Euro kosten. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Geschäfte mit realistischen Preisen besser laufen. Weniger ist mehr, davon bin ich überzeugt", sagt Ickx.

Die Rennlegende erlebte jüngst nicht nur in Goodwood ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Weg, sondern auch beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife. "Motorsport muss so sein, wie man es beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring erlebt. Dort campen die Fans direkt in Streckennähe, viele Bereiche sind offen, daher ist die Veranstaltung so erfolgreich. Mich erinnert das immer an den Grand-Prix-Sport der 1970er-Jahre."

"Mir fehlen in der Formel 1 auch die technischen Freiheiten. Die Angst vor einem alles überragenden Konzept eines einzelnen Teams ist doch unbegründet. Man schaue mal nach Le Mans", sagt Ickx. "Dort bauen Audi und Peugeot seit vielen Jahren komplett unterschiedliche Autos auf einem Topniveau. Nach 24 Stunden Vollgas lagen dieses Jahr auf dem Zielstrich 13 Sekunden dazwischen. Das ist großer Sport."

"Langstreckensport war früher mal das Nonplusultra, dann aber ist er in der Versenkung verschwunden. Mit der künftigen WM wird es wieder aufwärts gehen", meint der zweimalige Formel-1-Vizeweltmeister. "Was ich aber nicht sehe ist, dass es eine Konkurrenz zur Formel 1 sein könnte. Die beiden Sportarten sprechen unterschiedliche Fantypen an. Da gibt es aus meiner Sicht nur eine geringe Schnittmenge."


 


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